Wuh … 302 Mrd. Euro mehr als am Tag vor dem LTRO2 (siehe #LTRO2: 529,5 Mrd. Euro brutto, netto deutlich weniger (272,5 Mrd) - egghat’s not so micro blog). Die
777.000.000.000 (777 Mrd.) Euro
sind natürlich ein neuer Rekord und liegen etwa 250 Mrd. (1/4 Tera€) über dem alten Rekord.
Damit haben die europäischen Banken fast die komplette Nettosumme (530 Mrd. Zuteilung - Abflüsse) von gut 310 Mrd. Euro direkt wieder bei der EZB angelegt.
Das macht, wie bei LOTR 1 schon erwähnt, eigentlich keinen Sinn. Denn der Zins für das geliehene Geld beträgt 1,0%, für die Über-Nacht-Einlage bekommt man aber nur 0,25%.
Dafür ist die Finanzierung für 3 Jahre - egal welche Turbulenzen eintreffen mögen - sicher.
Update (09:57):
Wenn ich die EZB Bilanz richtig verstehe, müsste das Deposit Geld in der EZB Bilanz auftauchen. Und damit dürfte es die EZB Bilanzsumme drumrrrrroollllll über
3.000.000.000.000 (3 Billionen) Euro
getrieben haben.
Damit - und auch das ist bemerkenswert - dürfte die Bilanzsumme der EZB höher sein als die der Fed. Und was haben sich in Europa damals (fast) alle aufgeregt über die Politik der Fed. Das würde die Inflation treiben, das Risiko in den Bilanzen wäre nicht vertretbar, die Notenbank würde aktive Wirtschaftspolitik betreiben, etc. pp. Komisch, wie viele der damaligen Kritiker der Fed heute die EZB nicht im gleichen Maße kritisieren … (Wobei es durchaus auch viele gibt, die diese Politik damals UND heute für falsch (oder auch richtig) hielten und halten).
Update 2 (11:31):
Die Zinsdifferenz bringt der EZB pro Tag übrigens etwa 16 Millionen Euro ein. Oder etwa 5,8 Milliarden Euro pro Jahr (wenn der Leitzins und die Menge Geld, die die Banken hinterlegen, unverändert bleiben).
9:35 am • 2 März 2012
Ich war ja gleich überrascht und konnte es nicht glauben: Angela Merkel redet wirklich von einem Konjunkturprogramm zur Ankurbelung der europäischen Wirtschaft (siehe Kanzlerin Merkel will Europas Wirtschaft ankurbeln - Politik - sueddeutsche.de) OK, so langsam wird klarer, was Merkel meinte: Man solle bisher nicht genutzte EU-Mittel in einen neuen Topf schütten, darauf Konjunkturprogramm schreiben und damit großartig ankurbeln. Ein Konjunkturprogramm, das kein Geld kostet also. Wenig überraschend sagt die EU-Kommission, dass ihr schleierhaft wäre, wo denn die ganzen Mittel stecken sollen … Johannes Hahn kam bei einer schnellen Zusammenstellung der ungenutzten Mittel für 2010 und 2011 auf 30.000.000 (30 Millionen) Euro. Poah, da wird in der Wirtschaft bestimmt gleich europaweite Euphorie ausbrechen … Angesichts dieses Mega-Konjunkturpakets … (Zum Vergleich: Aus dem Konjunkturpaket 2 hat die Stadt Oberhausen (ca. 220.000 Einwohner) 25,4 Millionen erhalten (Quelle)) Da fragt man sich schon, ob Merkel so leere Ankündigungen nicht etwas peinlich sind … 8:30 am • 28 Januar 2012
Minus 4,4% Neuverschuldung in Prozent des BIPs wurden bisher angestrebt. Das habe ich ja schon immer für utopisch gehalten, auch weil die ursprünglichen Ziele (-6,0%) für 2011 verfehlt wurden und sich damit die Ausgangsbasis verschlechtert hat (siehe hier Spanien spart und spart und es nützt doch nichts - egghat’s not so micro blog und (4 Tage später!) Spanien: Haushaltsdefizit 2011 > 8,0% - egghat’s not so micro blog). Goldman Sachs rechnet mit einer Verfehlung um mindestens 1,1 Prozentpunkte, also einem Haushaltsdefizit von mind. 5,5%/BIP. Ohne Wachstum kann man die Schulden nicht deutlich reduzieren. Dass die spanische Volkswirtschaft kein tolles Wachstum aufweisen wird, war klar. Dazu ist die Gesamtkonjunktur in Europa zu schlecht. Wie unrealistisch die Prognosen waren, war mir allerdings nicht bewusst (und ich war zu faul zu suchen, “zu hoch” reichte mir für’s erste). Die alte Regierung hat doch tatsächlich mit einem Plus von 2,3% für 2012 kalkuliert. Inzwischen wird eine Rezession erwartet, deren Tiefe und Länge noch völlig unklar sind. Eine Einschätzung gibt der IWF, dessen Wachstumsprognose in der nächsten Woche offiziell erscheint, die aber der Telegraph schon in den Händen gehabt hat. Danach werden 2012 1,7% BIP-Minus für Spanien erwartet. IWF senkt Wachstumsprognose für 2012 - egghat’s not so micro blog Das liegt natürlich dramatisch unter der (alten) Wachstumsprognose Spaniens, genau um satte 4,0%. Ich fürchte, dass die 1,1 Prozentpunkte, die Goldman Sachs auf das spanische Haushaltsdefizit aufgeschlagen hat, sich noch als zu optimistisch herausstellen könnten … 9:24 am • 20 Januar 2012
6-Monats-Bundesanleihe bei der Versteigerung heute mit negativer Rendite. First time ever. (Update: Es sei ergänzt, dass es negative Renditen am Zweitmarkt, also beim normalen Handel nach der Versteigerung, in 2011 schon einmal gab, siehe 1-Jährige Bundesanleihen mit negativer Rendite - egghat’s not so micro blog). Man bekommt als Anleger, der heute bei der Auktion der sechsmonatigen Bundesanleihen (BuBills genannt) Zuschlag bekommen hat, im Juli also geringfügig weniger Geld zurück als man heute angelegt. Die Rendite: -0,0122%. Germany sells 3.9 bln euros of 6-mth Bubill at negative yield | Reuters Jetzt wisst ihr auch, warum die Banken ihr Geld tageweise bei der EZB anlegen. So viel wie noch nie zuvor (aktuell 463 Milliarden Euro, höchster Wert ever) übrigens. Bei der EZB gibt’s allerdings noch Zinsen, wenn auch sehr niedrige … Vertrauenskrise: Angsteinlagen bei EZB steigen auf Rekord | FTD.de Die Geldmärkte in Europa werden weiterhin von extremer Unsicherheit geprägt. Update (14:38): Noch zwei ganz interessante Ergänzungen zur Negativrendite: a) Alle deutschen Staatsanleihen mit Laufzeiten bis zu einem Jahr werfen negative Renditen ab (PDF der Finanzagentur). b) Eine negative Rendite bei der Versteigerung war früher gar nicht möglich. Das Auktionsverfahren verlangte bis dato immer die Abgabe von Rendite größer als Null. Erst mit der Umstellung (wahrscheinlich zu Jahresbeginn) auf ein einfaches Kursgebot ermöglichte die Abgabe von Geboten, die eine Rendite bringen. (Danke an @blicklog und @FTD_Wunder für die Hinweise). 12:11 pm • 9 Januar 2012
Unfassbare Zahl! Das wäre mehr als die Hälfte des Haushaltsdefizits 2011 (20,5 Mrd. für die ersten 11 Monate, siehe Griechenland Haushalt 2011 - Update November - egghat’s not so micro blog). Angeblich soll das Geld von ertappten Steuersündern wie beim DfB Pokal verteilt werden (interesseweck): Jeweils 40% gehen an die zwei Vereine, 20% an den DfB. Die beiden Vereine sind im Fall von Steuerermittlungen die Ermittler und der, gegen den ermittelt wird. Dumm nur, dass danach nur noch 20% für den Staat übrig bleiben … Und ich irgendwie das Gefühl hatte, dass dem eigentlich 100% zustehen sollten … Ich verstehe ehrlich nicht, warum sich die Griechen das gefallen lassen. Auf der einen Seite haben Staatsbedienstete teilweise unfassbare Privilegien (Arbeitszeiten, Verdienst, Rentenalter), was durchgerechnet dazu führt, dass diese teilweise doppelt so viel verdienen wie Normalsterbliche für den gleichen Job in der freien Wirtschaft bekommen. Tja, warum schafft ein Land wie Griechenland die Wende nicht aus eigener Kraft? Wahrscheinlich ist das Korruptions- und Begünstigungsnetzwerk so weit verästelt, dass jeder denkt, er würde davon profitieren. Und dann machen alle weiter mit oder zumindest ausreichend viele, um das System am Leben zu halten .. 8:55 pm • 14 Dezember 2011
Wieder einmal sind 8.800.000.000 (8,8 Milliarden) Euro bei den griechischen Banken in nur einem Monat abgeflossen. Die Bankeinlagen im griechischen Bankensektor sanken in nur einem Jahr von 288 auf 238 Milliarden Euro. 50 Milliarden, die die griechischen Banken jetzt woanders besorgen müssen. Woanders heisst: EZB, denn woanders bekommt eine griechischen Bank kein Geld mehr. Im großen griechischen Bankenmarsch ziehen weiterhin alle Kundengruppen gleichzeitig ihr Geld ab: Ausländer, Griechen, Unternehmen, Private. Der stabilste Teil ist interessanterweise der Finanzsektor, der zusammengerechnet seine Einlagen gegenüber dem Vorjahr sogar erhöht hat. Der Finanzsektor macht aber kaum 4% der Gesamteinlagen aus, der positive Trend dort reisst das Steuer also nicht herum. Die privaten Haushalte haben hingegen weiter am meisten Angst: Allein Oktober hoben sie 5,6 Mrd. Euro ab (knapp 30 Mrd. im Jahresvergleich), die Unternehmen etwa 2,5 Mrd. Euro (6,5 Mrd. gegenüber Oktober 2010). Die Geschwindigkeit nimmt zu, 8,8 Milliarden Euro sind zwar noch kein Rekord, denn im Mai sind sogar 13,8 Mrd. in einem Monat abgeflossen. Davon gingen aber 7,1 Milliarden auf den Staatssektor zurück. Das kann sich aber nicht wiederholen, denn der gesamte griechische Staatssektor hat nur noch 6,8 Milliarden bei den griechischen Banken liegen … direkt von der Quelle Bank of Greece: Deposits held with credit institutions (XLS) gefunden über Greek Bank Run Hits Record: Unprecedented €6.8 Billion In Deposits Pulled From Greek Banks In October | ZeroHedge siehe dazu auch: DER BANKEN-MARSCH IN EUROPA GEHT WEITER 7:17 pm • 13 Dezember 2011
Knifflige Frage für Billionäre: Zweimal Deutschland die gesamte Staatsverschuldung abkaufen oder lieber ein Ersatzscherblatt für einen Braunrasierer? (via Braun Kombi 51S / 8000: Amazon.de: Elektronik) Die ziemlich lustigen Kritiken sind allerdings der Grund für diesen (eigentlich natürlich überflüssigen) Artikel: Ein paar Beispiele: “Bislang investierte ich in Gold- und Platinbarren sowie Aktien. Das Problem war aber: Wo unterbringen? Irgendwann ist auch die grösste Hütte voll. Dank Braun haben sich meine Frau und ich entschieden noch ein Kind zu bekommen, da wir nun - durch kompakte Lagerung unseres Notgroschens - wieder Platz für ein Kinderzimmer haben. Sollte es ein Junge werden, so werden wir ihn Braun nennen.” Auch schön: “Getreu dem Motto, “watt nix kost, is nix” bietet Braun hier einen Rasierer für die gehobene Mittelklasse. Mit einem günstigen Kredit der EZB kann sich fast jeder Mann dieses unverzichtbare Gerät ins Badezimmer stellen. Und es sieht auch noch gut aus. Deshalb, mein Tipp: Sofort zuschlagen, solange der Preis noch so günstig ist!” “Bei dem Preis habe ich mir gleich zwei gekauft. Rasiert gut und gründlich, schont die Haut und der Griff liegt gut in der Hand. Der Mitarbeiter von Braun, der als Halterung mitgeliefert wurde, sollte aber mal ausgewechselt werden, der ist schon ganz blass. Den anderen habe ich noch nicht ausgepackt, kann ich nichts dazu sagen.” “In den letzten Tagen spielte ich oft mit dem Gedanken Griechenland zu kaufen. Als ich jedoch dieses Angebot der Firma Braun sah entschied ich mich sofort um und investierte in diese einzigartige Klinge. Standard & Poors bewertet die Klinge mit AAA sodass ich in näher Zukunft das einzige maximal-kreditwürdige Lebewesen in der EU bin.” Der letzte Kommentar ist aber voll neben der Spur. Für das Geld bekommt man 10 Griechenländer ;-) Übrigens: Ihr braucht das Scherblatt nicht über den Affiliate-Link bestellen, wenn ihr das woanders billiger findet ;-) Amazon kappt die Provision eh bei 10 Euro … 3:58 pm • 7 Dezember 2011
Vorher AA-, also um zwei Stufen. Die Nachricht ist zwar schon zwei oder drei Tage alt, es lohnt aber trotzdem noch ein kleines Herumstochern und Überprüfen der Zahlen von Egan-Jones. Egan-Jones ist eine kleine, kaum beachtete Ratingagentur, die in letzter Zeit aber einige Schlagzeilen produziert, weil sie die Ratings der westlichen Staaten (wie auch die chinesische Dagong) deutlich unter den Werten der großen drei Moody’s, S&P und Fitch hat. Egan-Jones erwartet eine weitere deutliche Verschlechterung der französischen Staatsfinanzen vor allem aufgrund der Probleme im Bankensektor. Vor allem dadurch soll die Staatsverschuldung in Prozent des BIPs bis 2013 auf 117% des BIPs ansteigen. Ich weiss allerdings nicht, ob ich der Analyse von Egan-Jones ein hohes Gewicht einräumen sollte. Die Details der Analyse kenne ich nicht, aber zwei Sachen fallen mir direkt auf a) Im großen Ratingherabstufungsschwall von Standard & Poors vor wenigen Tagen (siehe 37 Großbanken (u.a. Goldman Sachs) herabgestuft - egghat’s not so micro blog) blieben die französischen Großbanken stabil. b) Die Verschuldungszahlen von Frankreich, die Egan-Jones annimmt, erscheinen mit arg hoch. Egan-Jones schätzt den Stand der französischen Staatsschulden auf 100% des BIPs am Ende des 2. Quartals 2011. Der “angepasste” Wert (was auch immer das sein mag) liegt sogar bei 119,6% des BIPs. Die französische Statistikagentur meldet hingegen “nur” 86,2% des BIPs (siehe Insee - Indicator - The public debt reached 1692.7 billion euros). Das ist schon ein satter Unterschied, der bei Egan-Jones fast eine ganze Bewertungsstufe ausmacht (ab 40% geht es immer in 20%-Schritten eine Stufe runter). Also ist eine gewisse Skepsis angebracht, beim A-Rating von Egan-Jones genau wie bei den AAA-Ratings der großen Konkurrenten. Das “richtige” Rating liegt IMHO irgendwo dazwischen. 12:35 pm • 2 Dezember 2011
21.000, *so* viel ist das doch gar nicht. Zumindest wenn man sich die Schlagzeilen in einer großen deutschen Boulevardzeitung so anschaut, hätte man deutlich mehr erwarten können. Vor allem, weil die Zahl vorläufig ist. Da könnten ja durchaus noch ein paar dabei sein, die fälschlicherweise gezählt wurde: längerer Aufenthalt im Ausland, Analphabeten, liegt im Koma, keine Angehörigen (die sich kümmern), gerade erst verstorben, etc. pp. Auf der anderen Seite könnten allerdings auch welche übersehen worden sein. Egal: In der Bild (uh jetzt hab ichs gesagt) hat’s manchmal so geklungen, als sei Griechenland saniert, wenn die gegen die Phantomrentner erstmal vorgehen … 7:23 pm • 25 November 2011
Grund: Abschreibungen auf Beteiligungen (Bank Austria, …) und nicht, wie man vermuten könnte, auf Staatsanleihen … Das kommt also noch ;-) Es werden wohl 7.500 Arbeitsplätze abgebaut, 1.000 davon bei der deutschen Tochter Hypovereinsbank. Dazu wird eine Kapitalerhöhung um 7,5 Mrd. Euro angekündigt. Eine stattliche Summe angesichts der Marktkapitalisierung, die bei 80 Cent pro Aktie nur noch bei 16 Mrd. Euro lag. Es würde nicht verwundern, wenn die Aktie nach der Aussetzung noch tiefer wieder in den Handel einsteigt. Bei 15 Mrd. Marktkapitalisierung wäre das eine Kapitalerhöhung um die Hälfte. Autsch. UniCredit macht 10,6 Mrd. Verlust im dritten Quartal « DiePresse.com Update (15:43): So, Kurs kommt wieder. Marktkapitalisierung nach Angaben von Yahoo bei 77 Cent je Aktie 14,1 Mrd. Euro. Es ist also in der Tat eine Kapitalerhöhung um mehr als die Hälfte. Allerdings war die Horrornachricht wohl schon in den Kursen drin. Der Kursrückgang ist vergleichsweise harmlos. Von 80 Cent ging es nach die Wiederaufnahme auf 75 Cent runter. Der Verlust ist aber inzwischen schon wieder auf weniger als die Hälfte geschrumpft.
Auf der anderen Seite lassen die Griechen ihre Steuersünder frei rumlaufen. Ein paar härtere Gesetze (Rente weg, wenn Steuerermittler bestechlich ist) und Griechenland hat sofort wieder eine Basis für die Gesundung. Stattdessen wird das Land mit Sparprogrammen und Steuererhöhungen überzogen und alle leiden (für eine Minderheit). Woran der Rest Europas allerdings nicht ganz unschuldig ist …