Es heisst nicht umsonst Abwärtsspirale. Erst geht’s am Immobilienmarkt bergab, dann mit den Immobilienkrediten, dann mit den Verbrauchern, dann mit den Verbraucherkrediten, dann mit den Unternehmen, dann mit den Unternehmenskrediten.
Und jede neue Stufe sorgt dafür, dass die anderen Stufen zuvor noch etwas weiter nach unten führen als bislang.
Mit den Immobilienkrediten scheinen die spanischen Banken jetzt im wesentlichen durch zu sein (wenn da nicht doch noch eine erneute Abwärtswelle kommt), nun folgen die Unternehmenskredite. Nun ja, kein Wunder. Wenn niemand mehr baut und niemand mehr konsumiert, geht es Unternehmen auch nicht wirklich gut …
10 Mrd. Euro könnte die Banken diese neue Krisenfront kosten. Warten wir mal ab. Die spanische Zentralbank ist auch vergleichsweise ruhig und glaubt, dass die Banken das aus eigener Kraft schaffen können.
2:39 pm • 24 Mai 2013
So. Ein Link zur Bild. Da habt ihr’s … Aber die Ausnahme ist gut begründet. Neben der unsäglichen Überschrift ist die Zusammenfassung des geheimen Untersuchungsberichts der EU nämlich ganz gut und außerdem - sehr lobenswert - hat die Bild das Dokument auf ihrem Server zur Verfügung gestellt (sonst wüsste ich ja auch nicht, dass die Zusammenfassung was taugt …). Der Bericht belegt alle Vorurteile über das zyprische Bankensystem. Briefkastenfirmen en masse, lasche Kontrollen, wenig Überwachung. In den Details wird es durchaus spannend. Viele der Kontoinhaber sind über mehrere Stufen mit Treuhändern und Zwischenholdings getarnt. Als wenn das noch nicht kompliziert genug wäre, ändern sich diese Konstruktionen häufig. Das alles dient natürlich nur zur Tarnung des eigentlichen Besitzer, der schon wissen wird, warum er sich tarnt und warum er so viele Anwälte dafür bezahlt … Das führt im Endergebnis dazu, dass die zyprischen Banken in 27% der Fälle gar nicht wissen, wem das Geld auf dem Konto eigentlich gehört. Dass die zyprischen Banken dazu durchaus in der Lage wären, zeigt der Anteil der unklaren Daten bei den vergebenen Krediten: Hier liegen nur in 11% der Fälle unklare Daten vor. Kurz: Wenn die Bank Geld bekommt, prüft sie lasch, wenn sie Geld verleiht, legt sie Wert darauf, den Besitzer zu kennen. Das Ganze wird noch schlimmer, wenn man weiss, dass das zyprische Unternehmensverzeichnis einen Bearbeitungsstau von 10 Jahren hat (meldet Bild, im Dokument finde ich das nicht). Bei einem derart schlecht gepflegten Firmenregister wird das Auseinanderklamüsern (ich liebe dieses Wort, merkt man, gell?) der eh schon komplizierten Firmen-Holding-Treuhänder-Strukturen quasi unmöglich. Auch die Erkennung von Geldwäsche bei den Banken scheint (absichtlich?) schlecht zu funktionieren. Die Wirtschaftsprfüfer von Deloitte habe bei einem schnellen Scan über die größten Konten 29 auffällige Transaktionen gefunden, die Banken selber keine einzige … Das Originaldokument bekommt man hier. Update (16:06); Pantelouris findet den Bild-Artikel unterirdisch. Nun ja, das sehe ich anders (auch wenn er einige valide Punkte anspricht, allerdings auch vieles verschweigt. Denn die Bild hat sich die Sachen ja nicht ausgedacht, die stammen von der EU) Mein dir deine Bildung! « Michalis Pantelouris 3:34 pm • 22 Mai 2013
Das laufende Minus verbessert sich dabei in Richtung der Maastricht-Grenze von 3,0% des BIP. Die Vorjahreswerte lagen bei 6,4% (2009), 6,2% (2010) und 4,2% (2011). Der Schuldenstand hingegen entfernt sich weiter von der 60%-Marke nach Maastricht. Von 80,0% 2009 ging es über 85,4% und 87,3% jetzt auf 90,6%/BIPs. http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-22042013-AP/DE/2-22042013-AP-DE.PDF Am Ende der Liste steht neu Spanien (-10,6%) das Griechenland (-10,0%) überholt hat. Der ehemalige Spitzenreiter Irland fängt sich langsam (-7,6%), das Rekordminus dort ging wie jetzt auch im Fall Spanien auf hohe Kosten zur Bankenrettung zurück. Davor liegen Portugal (-6,4%), Zypern und das Vereinigte Königreich mit je -6,3% Minus. Frankreich liegt mit -4,8% im unteren Mittelfeld. Beim Schuldenstand sieht die Reihenfolge etwas anders aus: Griechenland bleibt auch nach den Haircuts an der Spitze (156,9%) und ist damit eigentlich immer noch auf einem Niveau, das nicht nachhaltig sein kann. Italien bleibt auf Platz 2 (127,0%), dahinter Portugal (123,6%), Irland (117,6%), Belgien (99,6%), Frankreich (90,2%), das Vereinigte Königreich (90,0%), Zypern (85,8%), Spanien (84,2%). Deutschland liegt bei 81,9% (siehe dazu auch Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Schuldenstand nach Maastricht D 2012: 81,9% (+1,5)). Die ursprüngliche Marke nach Maastricht erreichen nur Estland (10,1%), Bulgarien (18,5%), Luxemburg (20,8%), Rumänien (37,8%), Schweden (38,2%) und Lettland und Litauen (je 40,7%). Der Durchschnittswert der Eurozone liegt nun bei 90,6%, im Vorjahr waren es noch 87,3% (davor 85,4 und 80,0%). 11:37 am • 22 April 2013
Das Triple A ist damit für’s Vereinigte Königreich weg. Hauptursache für die Herabstufung war das Scheitern aller englischen Fußballvereine in der Champions League. Ach ne, die steigenden Schulden von Großbritannien. Den Höhepunkte des Schuldenbergs sieht Fitch jetzt bei 101% des BIPs im Jahr 2015/2016 (vorher 97%). Damit hätte sich Großbritannien zu weit vom Mittelwert der AAA-Staaten (Median bei etwa 50%/BIP) entfernt. Auch sei das laufende Defizit mit über 7% des BIPs zu hoch und ein starker Rückgang unwahrscheinlich. Der Schuldenanstieg geht auch auf eine spürbar reduzierte Wachstumsprognose zurück. Statt 1,5 und 2,0% Plus werden jetzt nur noch +0,8 und +1,5% BIP-Plus für 2013 und 2014 erwartet. FitchResearch: Fitch Downgrades United Kingdom to ‘AA ‘; Outlook Stable Beim Konkurrenten Moody’s gab es die Abstufung eine Stufe unter das Toprating schon, S&P hat Großbritannien noch auf AAA, allerdings mit Ausblick negativ. Der Ausblick bei Fitch ist nach der Abwertung stabil. Das bedeutet in der Fitch Logik, dass es für eine weitere Herabstufung innerhalb der nächsten 2 Jahre eine Wahrscheinlichkeit von weniger als 50% gibt. 6:10 pm • 19 April 2013
Nö, lieber Focus, bis jetzt kostete das noch gar nichts, weil das nur Kredite sind. (OK, so gut wie gar nichts, weil es nur in Griechenland einen Haircut für die Staatsanleihen gab, der für ein paar Milliarden Minus in den Staatskassen sorgte). Ich schließe nicht aus, dass von den Krediten noch mehr abgeschrieben werden (ich gehe sogar davon aus), aber es wird selbst dann nicht auf 100% Haircut hinauslaufen. Übrigens landen in Deutschland “nur” knapp 30% der Gesamtsumme, die in der Überschrift genannt werden, weil ja auch andere mithaften und zahlen. Es geht also aus unserer deutschen Sicht um etwa 50 Mrd., nicht um nahezu 200 Milliarden. Aber das wäre wohl eine wesentliche ungeilere Überschrift gewesen … 12:45 pm • 18 April 2013
Das ist mal eine gute Nachricht … (nachdem die Arbeitslosenquote für den Januar wieder ein Desaster war) Griechenland hat im ersten Quartal 2013 ein Primärplus eingefahren. Das heißt, dass der Staat alle Ausgaben - bis auf die Zinsen - bezahlen konnte. Das Plus lag bei 508 Millionen Euro, was 2,8 Mrd. besser war als die Planung. Das Staatsdefizit inklusive aller Kosten (also auch der Zinsen) lag bei minus 1,33 Mrd. Euro, ebenfalls 2,8 Mrd. besser als geplant. Bei einem BIP von geschätzt 50 Mrd. Euro im ersten Quartal liegt das Haushaltsdefizit nur noch bei etwa 2,4% und damit innerhalb der Maastricht-Kriterien. Leider könnte es sein, dass die Zahlen im ersten Quartal immer besser aussehen als in den folgenden (weil z.B. bestimmte Steuern jährlich gezahlt werden müssen). Die 2,4% Haushaltsdefizit darf man u.U. nicht aufs Jahr hochrechnen (mir fehlen leider Zahlenreihen zu den Steuereinnahmen vom letzten Jahr, um den möglichen saisonalen Effekt abschätzen zu können). Eine Verbesserung ist allerdings nicht zu übersehen … ekathimerini.com | Primary surplus comes in above 500 mln in the year’s Q1 Nicht verschweigen sollte man natürlich, dass sich das Haushaltsdefizit auch deshalb so deutlich verbessert hat, weil der Schuldenschnitt die Schuldenlast massiv gesenkt hat und die Zinsen, die Griechenland aktuell an die EU/EZB/IWF zahlt, deutlich unter dem liegen, was Griechenland früher bezahlen musste (oder gar am Kapitalmarkt bezahlen müsste) . 3:33 pm • 11 April 2013
Für die Sparer, die mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hatten (und für diesen Über-100.000-Euro-Teil). (Städte, Gemeinden, Sozialkassen, etc. bekommen übrigens eine Ausnahme). Dass 37,5% weg sind, war bekannt. Darüber hinaus gibt es einen Sicherheitspuffer von 22,5%, der für 6 Monate eingefroren wird. Sollte weiteres Geld zur Rettung des zyprischen Bankensystems notwendig werden, wird dieser Puffer verwendet. Erste Berechnungen schätzen jetzt, dass 50% des Puffers benötigt wird. Das ist überraschend viel, insbesondere weil die Bank of Cyprus die Bank ist, der die Politiker das Überleben zutrauen. Sie wird bekanntlich mit dem guten Teil der LAIKI Bank zusammengelegt. Der Haircut beim schlechten Teil der LAIKI Bank, wo die Guthaben oberhalb von 100.000 Euro landen, die Kunden dort haben, wird dann wohl noch um einiges höher ausfallen. Medienbericht: Verlieren Konteninhaber bei der Bank of Cyprus 50 Prozent? - Zypern - FAZ 12:45 pm • 8 April 2013
Wenn ein großer Automobil-, Handy- oder Stahlhersteller die Schotten dicht macht, wird abgefunden, umgeschult, werden Auffanggesellschaften gegründet, etc. pp. Kurz: Man versucht die Ex-Angestellten (und die Region) nicht in ein schwarzes Loch fallen zu lassen. Das ist einer der großen Gründe, warum die Marktwirtschaft und im Speziellen die Marktbereinigungskräfte (ergo der Marktaustritt vom Großteil der Bevölkerung akzeptiert wird. Man sieht ein, dass Pleiten sein müssen, aber gleichzeitig würde die Gesellschaft ein Hire and Fire wie in den USA ablehnen. Wenn man sich jetzt aber die Rosskur in Griechenland oder Zypern anschaut, fragt man sich, wo ähnliche Programme dort bleiben. Wo ist das Abfedern der Rosskur? Wo sind die Zukunftsaussichten? Wo ist die Vision? Jeder, der halbwegs durchschaut, was passiert ist, weiß, dass man dem Land seine Existenzgrundlage über Nacht geraubt hat, ohne etwas anderes an dessen Stelle zu setzen. Jeder weiß, dass Massenarbeitslosigkeit, Auswanderung und ein jahrelanger Zerfall die Folge sein werden. Wenn man dieses Vorgehen den vergleichsweise ausgefeilten Aktionen von Übergangsfristen, Abfindungsgeldern, sozial verträglichen Entlassungsplänen, Auffanggesellschaften und öffentlicher Regionalförderung gegenüberstellt, die hierzulande unternommen werden, wenn nur ein einziger großer Arbeitgeber die Segel streicht, wird offensichtlich, was den Zyprern zugemutet wird. Der Fall Zypern oder die Folgen der kollektiven Ignoranz | Flassbeck Economics Zum Verlust des Geschäftsmodells siehe auch Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Wie tief wird die Rezession in Zypern? Ganz nebenbei ist es ein Plädoyer Flassbecks für Bankenrettungen, ein Punkt, der einigen Lesern nicht schmecken wird (den ich aber trotzdem für richtig halte …). 10:38 am • 3 April 2013
Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf die englische Zentralbank. Das ist aber nur die halbe Wahrheit (und zwar ziemlich genau), denn das gesamte Loch in den Bankbilanzen der britischen Großbanken schätzt die Bank Of England auf 50 Mrd. Pfund (oder etwa 59 Mrd. Euro). Etwa 30 Mrd. Pfund gehen auf ausfallende Kredite bei britischen Gewerbeimmobilien und andere Kreditausfälle in Südeuropa zurück. Etwa 10 Mrd. auf Strafen der diversen kriminellen Geschichten, denen man bei Banken anscheinend gerne nachgeht (Stichwort: LIBOR). Weitere 12 Mrd. Pfund werden nötig, weil sich die Risikobewertung einiger Assets verschlechtert hat (sprich es wird ein höheres Risiko angenommen, was mehr Eigenkapital nach sich zieht). Die RBOS soll den höchsten Kapitalbedarf haben, aber da wird es kein Problem sein, einen Aktienkäufer zu finden. Es wird der gleiche sein, der in den letzten Jahren bereits 81% der Aktien gekauft hat: der britische Staat … U.K. Banks Facing Capital Shortfall - WSJ.com 11:41 am • 27 März 2013
Interessante kleine Anekdote aus den 90ern aus dem Serbien zu Milosevics Zeiten: Es gab fast jeden Tag sehr preiswerte Flüge von Belgrad nach Israel. Für die eigentlich kein Bedarf bestand, wenn es denn den Zwischenstopp auf Zypern nicht gegeben hätte. Dort stieg nämlich ein Haufen Männer mit Aktenkoffern aus. Was da wohl drin gewesen sein mag ;-) ? Die zweite Etappe des Flugs flog die Maschine quasi leer. Aber damit wohl noch nicht Ende der Geschichte. Ein (wohl gut informierter) Banker rät den Ermittlungsbehörden, einen Blick auf die Anleihenkäufe der kriselnden zyprischen Banken zu werfen. Diese kauften nämlich noch Griechenlandbonds, als alle anderen schon verkauften (bis auf ein paar hartgesottene Hedgefonds). Das mag der Aussicht der Bankangestellten auf hohe Boni geschuldet gewesen sein (geht zwar mittelfristig nicht gut, aber vielleicht gibt’s ja ein oder zwei Jahre noch hohe Zinsen und damit Boni), vielleicht steckte dahinter aber noch mehr. Der Banker hält “Provisionsgeschäfte” für denkbar. Nach dem Motto: Finde einen Käufer für meine Griechenlandanleihen und du bekommst 5% Provision. Diese Provision könnten sich der Angestellte der zyprischen Bank und der Verkäufer geteilt haben. Damit wäre die zyprische Bank aber klar betrogen worden. In der Gänze ein lesenswerter Artikel: Zypern: Von Zwischenstopps und Zwischenhändlern - Europäische Union - FAZ