Die Nachricht hatte ich schon getweetet. Die Qualität meiner Timeline lässt sich auch daran erkennen, dass den Tweet viele retweetet haben. Kurz: Nicht nur ich fand die Nachricht wichtig. Daher hebe ich die hier auch nochmal hervor.
Genau genommen hat die Bundesbank gesagt, dass sie eine höhere Inflation in Deutschland akzeptieren kann (allein das ist schon eine dicke Überraschung), wenn die gesamteuropäische Inflation im Rahmen bleibt. Da in den Südländern durch die Mega-Sparprogramme aber keine Inflation (eher sogar das Gegenteil) zu erwarten ist, kann die Inflation in Deutschland problemlos bei 2,5 oder 3% bleiben, je nachdem wie stark der Preisrückgang in Griechenland (et al) werden wird. (Bisher ist davon wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer und der gestiegenen Energiepreise aber noch nichts zu sehen, aber das wird kommen).
Jetzt beginnt natürlich die Grundfrage, ob Inflation aus der Krise hilft oder nicht. Grundsätzlich kann die Inflation auf zwei Arten helfen:
a) Der Schuldenstand in Prozent des BIPs sinkt tendenziell. Bei 2% Inflation und 1% Wachstum steigt das Brutto-BIP um 3%, bei 4% Inflation und 1% Wachstum steigt das Brutto-BIP um 5%. Wenn die Schuldenlast (wegen Neuverschuldung und Zinsen) um 4% steigt, macht die Inflation also genau den Unterschied zwischen “Schuldenstand in %/BIP steigt oder fällt” aus.
b) Die Anpassung der Wettbewerbsfähigkeit über eine unterschiedliche Entwicklung der Löhne zwischen Griechenland und Deutschland wird beschleunigt. Legen die Griechen bei 4% Inflation 3 Jahre Nullrunden bei den Löhnen hin und Deutschland erhöht dreimal um 6%, ist (auch wegen der bereits geschehenen Anpassungen) ein großer Teil der Lohnunterschiede verschwunden. Ohne Inflation müsste Deutschland viel stärker (unrealistisch stark) erhöhen und/oder Griechenland die Löhne (unrealistisch stark) senken. Das geht über Inflation einfacher, auch weil es versteckt(er) abläuft.
Allerdings glauben die Pessimisten nicht an die Wirksamkeit. Sie behaupten, dass die Inflation, sobald sie von allen erwartet wird, nicht mehr wirkt . Weil sie dann von den Kapitalmärkten eingepreist wird (man will höhere Zinsen) und von den Arbeitsmärkten ebenfalls (bei 4% Preissteigerung werden Nullrunden nicht mehr akzeptiert). (dafür gab es übrigens einen Nobelpreis, wenn ich mich nicht irre)
Ich glaube, dass (wie so oft) die Wahrheit dazwischen liegt. Man kann - temporär - mit Inflation sehr wohl etwas bewirken. Denn es dauert, bis die Kapitalmärkte Inflation einpreisen. Den Arbeitsmärkten (vor allem in schwachen Ländern) fällt das Einarbeiten der Inflation noch schwerer, weil man - egal wie hoch die Inflation ist - bei 20% Arbeitslosenquote als Arbeitnehmer wenig Druck aufbauen kann. IMHO gibt es ein Zeitfenster von zwei oder drei Jahren, in dem man mit Inflation durchaus etwas bewirken kann.
Das viel größere Problem am Heilmittel Inflation ist, dass man sie nicht einfach so verordnen kann. Die Geldmenge in Europa wächst bereits seit zwei oder drei Jahren so massiv, dass Inflationsverängstigte kaum noch ruhig schlafen dürften, die Inflation hingegen blieb bisher sehr moderat. Wenn die Stimmung am Boden ist, wird halt nicht investiert und es werden keine Schulden gemacht, egal wie billig Geld ist. Das Gleiche gilt im Boom. Die Notenbank bremst, die Wirtschaft aber investiert weiter.
Und genau hier liegt das Problem: Inflation ist zwar eine ziemlich wirksame Medizin, die aber nur sehr schwer zu dosieren ist. Daher ist möglicherweise die aktuelle zurückhaltende Haltung der Bundesbank genau die richtige: Man setzt nicht vorrangig auf Inflation, kann sie aber im bestimmten Umfang akzeptieren. Damit bleibt sie immerhin nicht nicht (wie meistens) mit beiden Füßen auf dem Bremspedal.
Die Bundesbank ist immer für eine Überraschung gut « Herdentrieb
Eine etwas älteren Artikel der Inflationsskeptiker gibt es hier:
Können die schwachen Eurostaaten von einer Euroinflation profitieren? | Wirtschaftswurm
Update (14:25):
Noch eine Einschätzung dazu, die man vielleicht auf folgenden Satz verdichten kann:
“Höhere Inflationsraten werden nicht per se zu einem Zusammenwachsen [Europas] führen.”
Genau, allein nützt die Inflation nichts. Nur wenn sie schnell und entschieden genutzt wird. (Dann bleibt aber immer noch die Frage, ob man als EZB Inflation genau genug steuern kann)
Update (11.05.12):
Alles nicht so wild. Bundesbank rudert zurück, wobei sie selber meint, es wäre kein Zurückrudern. Man habe nur klarstellen wollen, dass das Inflationsziel der Bundesbank die Einhaltung der Inflationsobergrenze in EUROPA ist und nicht allein in Deutschland. Und das könne eben auch bedeuten, dass eine Inflationsrate in Deutschland über 2% in Ordnung ist, so lange andere Länder die Inflation in Gesamteuroland unter die Grenze von 2% drücken.
Im März lag die Inflation in der Eurozone übrigens bei 2,7% und damit über der Schwelle und auch über der deutschen Inflationsrate von 2,3%. Griechenland hingegen wäre ohne künstliche Effekte durch Steuererhöhungen und den Einfluss der steigenden Ölpreis wahrscheinlich schon in der Deflation. So liegt die Inflation noch bei 1,4%, fällt aber rapide.
10:54 am • 10 Mai 2012
Sobald man ein paar Promillepunkt mehr Zinsen auf das Tagesgeldkonto bekommt, wirft der deutsche Michel alle Angst vor spekulativen Anleihen über Bord und stürmt die Bank. Und wenn das dann schiefgeht, rennt er zur Mutti Angela und fängt an zu betteln und zu heulen. Das habe man nicht ahnen können, man sei ja dummer Kleinanleger, etc. pp. Die FTD hat hochgerechnet und kommt auf mögliche Einlagen deutscher Sparer von 1 Milliarde Euro. Die VTB will das Geld aber gar nicht mehr unbedingt und senkt den Zins von ehemals 2,7% auf jetzt 2,2%. Grund: Das Geld bei der EZB ist billiger (1%) und dank einer österreichischen Niederlassung hat die VTB Zugriff auf das EZB Geld. Dass sich russische Banken mit billigem EZB-Geld vollsaugen, ist wahrscheinlich als Kollateralschaden der beiden dicken Bertas der EZB zu werten … Tagesgeld bei der VTB: Deutsche überschwemmen Russen mit Geld | FTD.de 12:28 pm • 8 Mai 2012
Ich beginne die Woche mal mit einer positiven Nachricht. Die zwei Die Renditen der zehnjährigen Anleihen sind von über 7 auf jetzt knapp 5% gesunken, die zweijährigen von 7,5% auf weniger als 2%. Damit machen die Banken genau das, was die EZB wollte: Sie kaufen die Staatsanleihen der kritischen Länder. Damit machen die Banken (mit Hilfe der EZB) das, wofür eigentlich mal der EFSF gedacht war. Eigentlich ist der Carry Trade auch zu naheliegend: Zu 1,0% Geld bei der EZB leihen und zu 3, 5 oder 7% wieder in Italien investieren. Am Ende schon krass, wie sehr die EZB den europäischen Politikern die Zügel aus der Hand genommen hat. Der EFSF interessiert eigentlich niemanden mehr … Update (20:39): TeraEuro macht mich darauf aufmerksam, dass es natürlich zwei Giga-Tender waren, nicht Mega-Tender. Wie man am Namen schon merkt, kennt er sich besser mit Mega, Giga und Tera aus als ich ;-) 6:41 pm • 5 März 2012
Wuh … 302 Mrd. Euro mehr als am Tag vor dem LTRO2 (siehe #LTRO2: 529,5 Mrd. Euro brutto, netto deutlich weniger (272,5 Mrd) - egghat’s not so micro blog). Die 777.000.000.000 (777 Mrd.) Euro sind natürlich ein neuer Rekord und liegen etwa 250 Mrd. (1/4 Tera€) über dem alten Rekord. Damit haben die europäischen Banken fast die komplette Nettosumme (530 Mrd. Zuteilung - Abflüsse) von gut 310 Mrd. Euro direkt wieder bei der EZB angelegt. Das macht, wie bei LOTR 1 schon erwähnt, eigentlich keinen Sinn. Denn der Zins für das geliehene Geld beträgt 1,0%, für die Über-Nacht-Einlage bekommt man aber nur 0,25%. Dafür ist die Finanzierung für 3 Jahre - egal welche Turbulenzen eintreffen mögen - sicher. Update (09:57): Wenn ich die EZB Bilanz richtig verstehe, müsste das Deposit Geld in der EZB Bilanz auftauchen. Und damit dürfte es die EZB Bilanzsumme drumrrrrroollllll über 3.000.000.000.000 (3 Billionen) Euro getrieben haben. Damit - und auch das ist bemerkenswert - dürfte die Bilanzsumme der EZB höher sein als die der Fed. Und was haben sich in Europa damals (fast) alle aufgeregt über die Politik der Fed. Das würde die Inflation treiben, das Risiko in den Bilanzen wäre nicht vertretbar, die Notenbank würde aktive Wirtschaftspolitik betreiben, etc. pp. Komisch, wie viele der damaligen Kritiker der Fed heute die EZB nicht im gleichen Maße kritisieren … (Wobei es durchaus auch viele gibt, die diese Politik damals UND heute für falsch (oder auch richtig) hielten und halten). Update 2 (11:31): Die Zinsdifferenz bringt der EZB pro Tag übrigens etwa 16 Millionen Euro ein. Oder etwa 5,8 Milliarden Euro pro Jahr (wenn der Leitzins und die Menge Geld, die die Banken hinterlegen, unverändert bleiben). 9:35 am • 2 März 2012
Deutlich über meinem Tipp von 360 Mrd, in dem ich allerdings ein auslaufendes Geschäft von 133 Mrd. Euro “übersehen” habe. Dieses war nicht (wie ich dachte) ein normales 1-Tages-Geschäft, wie es das jeden Tag gibt, sondern ein außerplanmäßiges, was daher nicht verlängert wurde. Nach langem Auskaspern mit @FTD_Wunder gestern Abend auf Twitter, müsste die Rechnung für den Nettozufluss so aussehen: Es liefen aus: 133,9 Mrd. Euro aus dem schon erwähnte 1-Tages-Geschäft (Info) Dazu kamen noch 2 auslaufende Dollar Geschäfte: 3,6 Mrd. aus einem 7-Tages-Geschäft (Info) Neu wurden aufgelegt 529,5 Mrd. Euro, der 3-Jahres-Megatender, LOTR2 (Info) und die zwei Dollar Geschäfte: 3,5 Mrd. für 1 Woche Nettozufluss also: —> (536+13,3)-(222,3+54,3) 272,7 Mrd. Euro Don’t mind the big headlines! (es mögen fehler drin sein, bin auf Hinweise gespannt!) Update (12:02) Wenn ich mir meinen Tipp ansehe (360 Mrd. inkl eines (falsch gesehenen) auslaufenden Volumens von knapp 90 Mrd. Euro; also netto 270 Mrd., Tweet) war der gar nicht schlecht … Um nicht zu sagen, fast ein Volltreffer. Update 2 (12:17) Und wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass das Volumen in meinem Tipp von 90 Mrd. gerundet war (und in der Realität etwas niedriger lag), war mein Nettotipp sogar bei 271,4 Milliarden, also noch näher dran. Update 3 (12:29): FTD_Wunder meint übrigens, dass man die beiden Märkte (Euro und Dollar) nicht in einen Topf werfen dürfe. Ich finde den Rückgang bei den Dollargeschäften aber so auffällig (Rückgang auf ein Drittel!), dass ich glaube, dass jetzt sehr wohl Geld aus dem LOTR2 kam, das vorher aus dem Dollar-Tender stammte. Egal, wenn man das Nettovolumen in Euro berechnet, kommt man auf 313,7 Mrd. Euro. 11:58 am • 29 Februar 2012
wegen der Herabstufung auf D durch S&P gestern Abend (Jetzt ist es offiziell: GrieSDenland im Default - egghat’s not so micro blog). Aber: Don’t Panic! Das ist alles erwartet und vorbereitet. Für die Banken, denen jetzt keine Sicherheiten mehr zur Verfügung stehen und daher kein neues Geld bei der EZB bekommen (betrifft wohl nur griechische Banken), wurden Notprogramme bei den jeweiligen nationalen Notenbanken eingerichtet. Damit ist die Liquiditätsversorgung der Banken auch jetzt noch sichergestellt (normalerweise würden sie mangels ausreichender Sicherheiten kein Geld mehr bei der EZB bekommen). Mittelfristig ist im Rettungspaket II ein Haufen Geld für die Rekapitalisierung der griechischen Banken vorgesehen. Und das ist auch dringend nötig, denn defakto wären die griechischen Banken spätestens seit der heutigen Entscheidung der EZB defakto (sprich unter normalen Bedingungen) insolvent. Das ganze (Wir akzeptieren die Griechenbonds nicht mehr, stellen aber trotzdem Geld zur Verfügung) ist natürlich eine politische, also tendenziell bekloppte Lösung. Denn die EZB will aus Prinzip keine Anleihen mit einem Default Rating als Sicherheit akzeptieren. Sie kann aber die griechischen Banken auch nicht alle Pleitegehen lassen, also sichert sie die Geldversorgung über den Umweg der nationalen Notenbanken. So hat sie ihr Gesicht gewahrt (wichtig, im politischen Geschäft), und das Finanzsystem bleibt stabil (naja, was man heutzutage stabil nennt …). Wahrscheinlich haben das Auskaspern und die Verhandlungen über diesen Umweg länger gedauert als die prinzipielle Zustimmung. ECB: Eligibility of Greek bonds used as collateral in Eurosystem monetary policy operations 9:39 am • 28 Februar 2012
Die ersten Sachen sind klar. Viel blabla, Griechenland hat geliefert (was auch immer), Griechenland war stets bemüht, blabla, werden mehr sparen, blabla, Schulden werden nachhaltig werden blabla strengere Kontrollen … Und dann ein Haufen Prognosen für Schuldenstände in Prozent des BIPs für 2020, in Zeiten, in denen nicht einmal die Prognosen für das laufende Jahr auch nur annähernd treffen … Zu den Fakten: Nominelles Haircut auf die alten Anleihen von 53,5%. Über einen Zinsverzicht für die neuen Anleihen wird der effektive Haircut noch höher, eine genaue Summe wird aber nicht genannt. Der neue Zins soll (wenn ich es richtig verstehe) 150 Basispunkte unter den alten liegen, was Griechenland 1,4 Mrd. Euro Einsparung bringt. Dann kommt der Abschnitt, den ich nicht verstehe: “Furthermore, governments of Member States where central banks currently hold Greek government bonds in their investment portfolio commit to pass on to Greece an amount equal to any future income accruing to their national central bank stemming from this portfolio until 2020. These income flows would be expected to help reducing the Greek debt ratio by 1.8pp by 2020 and are estimated to lower the financing needs over the programme period by approximately 1.8 bn euro.” Etwas weiter vorher wird beschrieben, dass die EZB Gewinne (oder Zinsen?) aus den Griechenlandanleihen wie üblich an die Notenbanken ausschütten, die diese (wie üblich) an die Regierungen ausschütten. Von dort aus soll das Geld dann wieder Griechenland zur Verfügung gestellt werden (somit ist die EZB fein raus und bekommt die gewünschten 100%. Und der Staat hat das Geld für Griechenland). Dann wird aber eine Summe von nur 1,8 Mrd. Euro genannt, was aber nicht zu den 100% passen würde, zumindest wurden noch vor kurzem Gewinne der EZB von 11 Milliarden Euro diskutiert, wenn alle Griechenlandanleihen zu 100% getilgt würden. Weiss jemand, was sich hinter den 1,8 Mrd. verbirgt? Nur die Zinsen? Und was mit den 11 Mrd. passieren soll? Werden die einfach nur an den nationalen Notenbanken ausgeschüttet und dann an die Regierungen? Eurogroup statement - 21.02.2012 (PDF) Update (23:28): Nicht zum ersten Mal findet Andre Kühnlenz die gleiche Frage wie ich spannend, hat aber im Gegensatz zu mir genug Zeit gehabt, die Infos herauszufinden. Also lest das hier, wenn Euch das Thema interessiert: Update 2 (22.02.2012): Hier noch nachgereicht der Link auf die Zinsen direkt von der Quelle: 10:11 am • 21 Februar 2012
Im Original, nicht zusammengefasst (bin müde). Viel Spaß beim Lesen! Als schlecht eingescanntes PDF die Sparangebote (Pensionskürzung, Beamtenentlassungen, Gesundheitssystem), die die griechische Regierung dem IWF (und damit der EU) unterbreitet hat. Darin auch die Planung für die Haushaltsdefizite, das Steuersystem, die Bekämpfung der Korruption, etc. pp. Wenn man das so überfliegt, fragt man sich, worüber die da so lange verhandelt haben … Memorandum of Economic and Financial Policies 10:55 pm • 9 Februar 2012
Toll! Weil er das jetzt genau so zusammenfasst, wie ich es von Anfang an sage. Target 2 wird (wie alles andere auch) in der EZB Bilanz aggregiert. Das steigende Risiko, das sich an den steigenden Target 2 Salden ablesen lässt, sehe ich auch in der Gesamtbilanz der EZB. Und vielleicht noch wichtiger: Es geht dabei nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität der Sicherheiten (sagt IIRC @lostgen auch schon lange!) Die Qualität der Assets bei der EZB ist der leider oft übersehene Faktor. Die Menge an sich wäre komplett egal, wenn sie denn höchste Qualität besäßen. “1. Sinn argumentiert, die gestiegenen Target-Forderungen der Bundesbank deuteten auf versteckte und zusätzliche Risiken für den Steuerzahler. Nun: Geldpolitik ist riskant, weil die Zentralbank den Banken gegen Sicherheiten Kredite gewährt und am Ende der Steuerzahler für die Zentralbank geradesteht. Nur ist die Frage, ob Target der beste Indikator für die Risiken ist. Denn die Ausleihungen der EZB lassen sich ganz einfach in der Bilanz der Notenbank ablesen. Dort erfährt man, dass sie sich Ende Januar auf 809 Milliarden Euro beliefen. Das ist die relevante Summe. Man kann nun weiter in die Bilanzen der nationalen Notenbanken gehen, um festzustellen, wie sich dieses Geld auf die verschiedenen Länder verteilt, um die Gefahr einer Bankenpleite taxieren zu können. So entfallen auch griechische Banken etwa 78 Milliarden Euro. Klar, das hier das Ausfallrisiko hoch ist. Und schließlich sollte man in einem dritten Schritt den Sicherheitsrahmen der EZB vornehmen, um abschätzen zu können, wie gut die Qualität der Pfänder ist. Fazit: Die Risiken für den Steuerzahler hängen von drei Faktoren ab: Volumen der Refinanzierungsgeschäfte, Verteilung auf die verschiedenen Länder, Qualität der Sicherheiten. Man braucht sich nicht in die Details des Zahlungsverkehrs begeben.” Das geht bei Punkt 2 weiter. Auch hier stimme ich Mark Schieritz völlig zu. Man muss die Sinn-Idee “Der Norden finanziert den Süden” nicht über Target 2 auseinanderdröseln. Dazu reicht es, in die Finanzierungsoperationen der EZB zu schauen. Da kann ich nämlich sofort sehen, dass das neue EZB-Geld vor allem an die Banken in den Südländern fließt. Die Website ist (bei mir) gerade down, ich verlinke das trotzdem aus dem Cache heraus, irgendwann wird’s schon wieder funktionieren. Herdentrieb: Hatte Hans-Werner Sinn doch recht? Lesen. Wichtig, weil auch verständlich. Und auch weil man danach vielleichtversteht, warum ich mich in die Target 2 Diskussion nicht wirklich eingemischt habe. Und warum ich über die Bilanzsumme der EZB und über die zunehmende Refinanzierung der Banken in den Südländern durch die EZB sehr wohl schreibe. Daran lässt sich nämlich schön sehen, wo gerade der Bank Run du Jour stattfindet … 12:52 pm • 9 Februar 2012
Ziemlich interessante These von Dirk Elsner im Blicklog: Hat der Megatender der EZB (der knapp 500 Milliarden Euro schwer war, netto aber eher in der 200 bis 300 Milliarden Euro Ecke lag) die Kreditvergabe der Banken gebremst? Genauer müsste man sagen: haben die zwei Megatender (Dezember 2011 und Februar 2012) die Kreditvergabe an die Unternehmen temporär gebremst? Dass die Kreditvergabe an Unternehmen (bis auf Deutschland) schrumpft, ist nicht mehr strittig. Besonders in Italien war der monatliche Rückgang um 21,5 Milliarden im Dezember extrem, einen so hohen Rückgang gab es noch nie innerhalb eines Monats. Nach einem Nachdenken und einer Antwort von Dirk habe ich seinen Gedanken inzwischen wohl auch verstanden … Ich fasse den mal kurz zusammen: Vor dem ersten Megatender haben die Banken alles an Sicherheiten (Collaterals), die sich finden ließen, zusammengekehrt und diese bei der EZB hinterlegt. Dafür gab es dann viel Bares. Nach dem ersten Megatender gibt es nun keine schnell aktivierbaren Collaterals mehr, weil die Banken alles hinterlegt haben, was eben ging. Um beim zweiten Megatender im Februar erneut in die EZB-Kasse greifen zu können, brauchen die Banken aber neue Collaterals. Neue Unternehmenskredite kann man aber bis zum zweiten Tender nicht schnell genug verbriefen. Die Banken lassen die Unternehmenskreditvergabe also “schleifen”. Als Alternative vergeben die Banken Kredite an die Staaten, kaufen also mit dem EZB-Geld Staatsanleihen. Diese sind problemlos als Sicherheit bei der EZB hinterlegbar. Der Zinsrückgang gerade bei den Anleihen der PIGS-Staaten in den letzten Wochen war spürbar, vor allem bei den kurzen Laufzeiten (wäre auch logisch, wenn die Laufzeiten bis zu drei Jahren vom dreijährigen EZB-Tender besonders stark beeinflusst worden wären). Jetzt folgt der zweite Megatender. Die Banken saugen sich erneut voll (mit Staatsanleihen als Collateral). Danach haben sie wieder, bzw. noch mehr Geld. Weil jetzt aber kein erneuter Zeitdruck besteht (es ist ja kein dritter Megatender angekündigt), müssen die Banken jetzt auch keine Staatsanleihen als schnell aktivierbares Collateral mehr kaufen, sondern können wieder Kerngeschäft machen. Sprich Kredite an Unternehmen und Private vergeben. Das bringt zwar erst langsam neue Collaterals (es muss ja erst gebündelt und verbrieft werden), aber das ist wegen des fehlenden Zeitdrucks auch nicht mehr so wichtig. Es gibt keinen drängenden dritten Megatender, außerdem sollten die Banken nach zwei Megatendern auch langsam ausreichend Bares besitzen. Wenn das alles so stimmt, hätten wir nur eine kurze, sprich zweimonatige Delle in der Kreditvergabe an Unternehmen und Private. Ob die These stimmt, sehen wir dann nach dem Tender an zwei Sachen: Steigt die Kreditvergabe an die Unternehmen wieder? Steigen die Zinsen für die italienischen (et al) Staatsanleihen wieder, denn diese könnten nur durch die oben beschriebene vorübergehende Sondernachfrage gesunken sein? Der zweite Punkt wird besonders spannend, weil er schnell und sofort sichtbar wird. Beim ersten Punkt wird man auf die Kreditvergabe von März warten müssen, die erst spät im April veröffentlicht wird. Und eigentlich kann man erst dann sagen, ob dieses Quantitative Easing der EZB (nichts anderes sind die Megatender der EZB meiner Meinung nach, nur kauft die EZB nicht im großen Stile selber, sondern sie gibt den Banken so viel Geld, dass diese quasi Staatsanleihen kaufen müssen; sie lässt also kaufen) erfolgreich ist. Denn dazu müssten nicht nur die Zinsen der Staatsanleihen weiter sinken, sondern auch die Kreditvergabe an die Unternehmen wieder in Schwung kommen. Ich befürchte, dass wir beides erst dann bekommen, wenn die Banken sich wieder vertrauen und der normale Weg der Kreditvergabe wieder in Schwung kommt. Im Moment wird mir einfach zu viel Geld bei der EZB geparkt, es ist immer noch viel zu wenig Vertrauen im Markt.

Mega-Giga-Tender der EZB haben die Renditen der italienischen Staatsanleihen (und etwas weniger dramatisch die Renditen der spanischen Staatsanleihen) deutlich in den Keller getrieben.
49,8 Mrd. Euro aus einem 3-Monatsgeschäft (Info)
38,6 Mrd. Euro aus einem 6-Monatsgeschäft (Info)
=222,3 Mrd. Euro
50,7 Mrd. aus einem 3-Monats-Geschäft (Info)
=54,3 Mrd. Dollar (oder 40,2 Mrd. Euro) (muss man die so umrechnen?)
6,5 Mrd. Euro für 3 Monate (Info)
=536 Mrd. Euro
14,5 Mrd. für 3 Monate
=18 Mrd. Dollar (oder 13,3 Mrd. Euro)