… liest man heute manchmal, wenn man über einen Artikel stolpert, in dem die Entscheidung der Schweizer Notenbank (SNB) kommentiert wird, den Schweizer Franken wieder über 1,20 zum Euro zu hieven (also den Schweizer Franken zu schwächen).
Man muss dabei aber bedenken, dass die meisten Länder unter dem Punkt “Währung stabil halten” eine Stärkung der eigenen Währung verstehen. Die Schweiz hingegen will ihre Währung schwächen.
Eine Währung zu schwächen ist aber wesentlich einfacher als eine Währung zu stärken. Um eine Währung zu stärken, muss man die Auslandswährung verkaufen und die Inlandswährung kaufen. Dafür muss man die Auslandswährung erstmal irgendwo herhaben, sei es aus den Devisenreserven, sie es laufend über einen Leistungsbilanzüberschuss.
Wenn man die eigene Währung schwächen will, muss die Notenbank die eigene Währung verkaufen. Das ist (im ersten Schritt) unproblematisch, denn die Notenbank schafft (druckt) ja diese Währung. Und wenn sie will, beliebig viel davon.
Es gibt natürlich Zweitrundenprobleme, wenn zu viel Geld gedruckt wird, wie z. B. Inflation oder ein drohender Währungskrieg mit einer Abwertungsspirale. In der ersten Stufe jedoch ist die Notenbank mächtiger als alle anderen Marktteilnehmer (mit Ausnahme anderer Notenbanken) zusammen.
Das sollte man immer berücksichtigen, wenn man heute etwas über den Austritt von Großbritannien aus dem ECU (Soros) oder die Abkopplung der asiatischen Währungen vom Dollar 1998 oder der Abkopplung Argentiniens vom Dollar 2001 liest. In all diesen Fällen wollten die Länder ihre Währung stabil, sprich hoch halten. Die Schweiz will aber das Gegenteil und daher kann man das nicht vergleichen. Der Markt ist an dieser Stelle nicht symmetrisch.
Daher gebe ich der Schweiz kurzfristig gute Chancen, diese neue Politik erfolgreich umzusetzen. Auf Sicht einiger Jahre mag das anders aussehen, weil dann mögliche Zweitrundeneffekte Probleme bereiten könnten. Kurzfristig wird aber die SNB gewinnen.
Update (17:34):
Die interessanteste Überlegung zum heutigen Schritt der SNB:
FT Alphaville » Swiss real estate will become the new gold
Grund dieser Prognose: Die Schweiz wird auf lange Zeit hinaus die Zinsen niedrig halten müssen (ansonsten würde der Franken sofort wieder stark, was ja nicht erwünscht ist). Niedrige Zinsen, sprich Finanzierungskosten sind das Beste, was Immobilienkäufern passieren kann. Zu 3% kann man sich logischerweise viel höhere Immobilienpreise leisten als zu 5% Hypothekenzinsen. Bei 30 Jahren Laufzeit und 1.000 Euro Monatsrate sind es einmal 188.659 und das andere Mal 238.422 Euro, also 26% mehr. Erfahrungsgemäß passen sich die Immobilienpreise den Finanzierungskosten sehr gut an …
Update 2 (17:51):
Ich würde gerne noch eines ergänzen: Mein Lob für die Schweizer Nationalbank berücksichtigt natürlich auch die aktuelle Fehlbewertung des Schweizer Franken. Die Kaufkraftparität ist bei der Schwelle von 1,20 noch nicht erreicht. Trinkaus errechnet ein Band von 1,205 bis 1,364. Die SNB versucht also nicht, komplett unrealistische Kurse durchzusetzen.