Nahezu steuerfrei versteht sich.
Laut Bloomberg soll Google allein 2011 9,8 Mrd. Dollar aus der Tochter in den Niederlanden auf die Bermudas transferiert haben. Dadurch soll Google Steuerzahlungen in Höhe von etwa 2 Mrd. Dollar in Europa vermieden haben.
Der durchschnittliche Steuersatz von Google lag für die Gesamtfirma bei 21%, für außeramerikanische Aktivitäten bei 3,2%. Damit kann man grob abschätzen, wie hoch der Steuersatz für die Gewinne ist, die in den USA erwirtschaftet und versteuert werden und wie niedrig für die Geschäfte in Europa.
Bis auf die Zahl von 9,8 Mrd. Dollar, die in die Bermudas gegangen sind, ist das aber keine Neuigkeit.
Google Revenues Sheltered in No-Tax Bermuda Soar to $10 Billion - Bloomberg
Der Irish Independent hat sich mal den Spaß gemacht und recherchiert, was Google in den letzten Jahren in Irland an Steuern gezahlt hat. OK, verdammt wenig ist jetzt jedem klar, aber es ist wirklich unglaublich wenig. Oder sogar wahnsinnig wenig?
Es sind genau
0,14%
des Umsatzes zwischen 2005 und 2011. Auf 47,4 Milliarden Euro Umsatz in Europa wurden in den 7 Jahren ganze 70 Millionen Euro Steuern in Irland gezahlt. Durch die Konstruktion mit der Holding in den Niederlanden wird dort noch eine weitere Steuerzahlung oben drauf kommt, hoch wird aber auch diese nicht sein.
Man darf die 0,14% jetzt nicht mit dem Steuersatz vergleichen, denn es ist ja nicht Steuern pro Gewinn, sondern Steuern pro Umsatz. Aber was will man auch anderes messen, wenn es der große Trick ist, den Gewinn fast auf Null zu drücken, indem Google Europa alle Technologien und Markennamen für viel Geld aus den USA (bzw. aus den Bermudas) lizensieren muss?
Kurz: Die Politiker in Europa lassen sich kollektiv vera****en. Ein paar Länder mit Ausnahmen (Irland, Niederlande, Luxemburg, Schweiz) untergraben die Steuerregeln für ganz Europa so, dass außereuropäische Konzerne Abermilliarden quasi steuerfrei aus Europa in Steuerparadiese verschieben können.
Und mit Wettbewerbsfähigkeit oder ähnlichem hat das Null zu tun. Alle Konzerne, bei denen man das bisher auseinander klamüsert hat, zahlen ohne groß zu klagen und ohne das Heimatland verlassen zu wollen, in den USA 25, 30 oder 40% Steuern. Und mehr will ich ja auch nicht. Nicht enteignen oder Ähnliches: Einfach nur Gesetze, die die Firmen auch in Europa einen fairen Steuersatz zahlen lassen … Mehr nicht …
Und damit ist auch klar, wen ich mit meiner Sammlung von Steuersätzen erreichen will: Die Politiker. Damit diese endlich die Steuerlöcher stopfen. Denn das was Google, Amazon, Apple und Microsoft (und Starbucks und und und) machen, ist ja völlig legal. Und jeder von uns würde das Gleiche machen: Auch ich setze meine Pendlerpauschale ab, obwohl ich sie für ökologisch äußerst fragwürdig halte. Am Pranger sollen die Politiker stehen, die diese Geschäfte ermöglichen … Und Däumchen drehend zuschauen …
Zu den anderen High-Tech-Firmen siehe hier:
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Neues Produkt von Apple: iSave
Googles Steuerquote (ex-USA): 2,4% - egghat’s not so micro blog
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Auch Microsoft zahlt (fast) keine Steuern …
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Steuertrick in Luxemburg spart Amazon 2 Mrd. Dollar
Update (14.12.12):
Google Chef Eric Schmidt ist “stolz” auf die errichtete Steuersparmöglichkeit. Also nicht nur “hmm, natürlich sparen wir Steuern, wir sind ein gewinnorientiertes Unternehmen”, sondern aktiv stolz darauf.
Während Warren Buffett es noch irgendwie komisch findet, dass er einen niedrigeren Steuersatz hat als sein Sekretär, findet Schmidt es völlig OK, wenn Google in Europa weniger als 3%, in den USA jedoch ohne mit der Wimper zu zucken die üblichen 35% Federal Tax plus lokaler Steuern zu zahlen.
Nun ja, er findet es nicht nur OK, er ist sogar stolz darauf …
Google boss: I’m very proud of our tax avoidance scheme - Home News - UK - The Independent