“Ich bin nur einer unter vielen.”
“Mein Vermögen ist nicht unnormal.”
Mit allen diesen Floskeln könnte sich Wen Jiabao herausreden und es würde sogar stimmen …
Mit den 2,3 Milliarden Dollar ist er zwar ein außergewöhnlich reicher Parteibonze, aber es gibt auch noch andere. Die Vermögen der reichsten 70 Delegierten des chinesischen Volkskongress (insgesamt 2000) werden auf 90 Milliarden Dollar geschätzt. Da sind also noch einige Milliardäre dabei …
Aber wirklich überraschend ist das nicht. Das Land ist groß, die Wirtschaft verdient sich dusselig und die Partei hat Einfluss auf alles. Da kann man als Entscheider in der Politik eigentlich gar nicht arm in Rente gehen …
Update (15:42):
Die FAZ hat heute einen sehr spannenden Artikel mit einer Liste der unverschämtesten chinesischen Politiker:
Dabei Zhang Shuguang, der satte 2 Milliarden Dollar Schmiergeld erhalten haben soll. Also nicht mit irgendeiner Firma verdient, sondern wirklich nur durch Handaufhalten …
Aber unabhängig von den Einzelfällen ist eine andere Zahl interessant: Der Gini-Koeffizient, der die Einkommensungleichheit einer Gesellschaft misst (wenn auch nicht perfekt), ist in China inzwischen bei deutlich über 0,40 angekommen. Je höher desto ungleicher ist eine Gesellschaft. Wikipedia weist 0,47 (bzw. 47%) aus. Zum Vergleich: Vor der Einführung des Kapitalismus in China lag der Wert bei 0,3, Deutschland liegt bei 0,28, Dänemark bei 0,247.
Update 2 (15:59):
Übrigens gibt es keine offiziellen Zahlen aus China zum Gini-Koeffizienten. Die chinesischen Behörden sehen sich nicht in der Lage, die Zahl zu liefern. Die daher mehr oder weniger inoffiziellen Zahlen der Weltbank decken aber die FAZ-Beschreibung: Von knapp 0,30 1982 stieg der Gini-Koeffizient bis 2007 auf 0,42.