In Schweizer Franken gerechnet wurde im Juli die 400 Milliarden Marke übersprungen. Ende Juli waren es 406,5 Mrd. SFr, 41,4 Mrd. mehr als im Vormonat.
Die Geschwindigkeit sinkt allerdings. Im Mai kaufte die Schweizerische Nationalbank noch 59,1 Mrd. auf, im April sogar 68,1 Mrd. SFr.
Trotz abnehmender Geschwindigkeit bleibt die Summe beeindruckend. In den oben genannten drei Monaten hat die SNB Währungsankäufe in Höhe von 30% des BIPs aufgekauft. Rechnet man das mal platt hoch, würde die SNB im Gesamtjahr fremde Währungen im Umfang von mehr als einem gesamten Jahres-BIPs aufkaufen.
Das sind Währungsinterventionen in einem Volumen, an das ich mich nicht erinnern kann. Nicht einmal ansatzweise. Weiss zufällig jemand, wie groß das größte Volumen jemals war, das die Bundesbank aufgekauft hat?
Was das für Auswirkungen hat, wird zu beobachten sein. Es ist ja zum Beispiel durchaus möglich, dass die SNB mit ihren Ankäufen deutlichen Einfluss auf die Eurokrise nimmt, in dem sie z.B. deutsche Staatsanleihen kauft und griechische verschmäht (siehe Handelsblatt.com - Schweizer Franken: Jan Egbert Sturm im Rausch « Handelsblog)
SNB hält für mehr als 400 Milliarden Franken Devisen - NZZ.ch, 07.08.2012
Grund für die Ankäufe ist natürlich die Wechselkursuntergrenze von 1,20 zum Euro, die die SNB halten will. Der Schweizer Franken war im vergangenen Jahr deutlich unter diese Marke gefallen (sogar fast bis auf 1:1) und bedrohte die Exportwirtschaft der Schweiz, die durch den teueren Schweizer Franken massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. Siehe dazu auch:
Währungsbindungen funktionieren nicht … - egghat’s not so micro blog
Die Schweiz ist für Volkswirte im Moment eh ziemlich spannend: Wechselkursuntergrenze, explodierende Währungsreserven, 2,7% Arbeitslosigkeit, Staatsanleihen mit deutlich negativen Renditen (Zweijährige werfen etwa 0,5% MINUS-Zinsen pro Jahr ab), …
Update (11:52):
Devisenanalysten schätzen, dass ohne die Interventionen der Kurs zum Euro bei etwa 1,05 liegen würde. Inklusive spekulativer Übertreibungen (bei Europanik, etc.) könnte der Wechselkurs noch deutlich niedriger fallen, selbst 0,80 werden nicht ausgeschlossen …
Auf diesem Niveau wäre der Schweizer Franken aber 40-50% zu teuer …
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