Tja, gute Frage, woran entscheidet sich eigentlich, welcher Skandal die Schlagzeilen bekommt und welcher nicht?
Manchmal verschwinden 10 Millionen und bekommen mehr Aufmerksamkeit als 200 Millionen, die woanders verpuffen. Manchmal dümpeln Nachrichten jahrelang nur in Insiderkreisen herum, plötzlich werden sie Top-News und schaffen es bis ins Fernsehen. Als bestes Beispiel siehe den LIBOR-Manipulationsskandal, der bereits im May 2008 im Wall Street Journal thematisiert wurde, aber dann mehr oder weniger ausschließlich im akademischen Bereich diskutiert wurde (LIBOR Manipulation?); jetzt hingegen ist das auf einmal der dicke Skandal.
Gut, am Ende hängt der Unterschied natürlich zu einem großen Teil am Timing. 2008 brach gerade alles zusammen, da interessierte eine mögliche Manipulation nicht, deren Schaden auch heute völlig unklar ist. 2012 fällt der Skandal aber in die Saure-Gurken-Zeit. Außerdem ist die Faktenlage nun so klar, dass es den Journalisten einfach fällt, darüber zu berichten. Man muss sich nicht nur auf (zurückhaltend formulierte) akademische Papiere oder auf (reisserische Websites wie Zerohedge) beziehen, sondern hat konkrete Information aus seriösen Quellen (Staatsanwaltschaft, Börsenaufsicht).
Daneben gibt es aber eine Menge anderer Einflussfaktoren, die entscheiden, ob eine Story groß wird oder ob sie verpufft.
Kevin Roose vom New York Magazine hat diese in der “Tante Deborah Skala” zusammengefasst. Je mehr Punkte, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Tante Deborah die Geschichte mitbekommt.
Das ist nicht wirklich ernst gemeint …
Man beginne mit der Summe in Milliarden. Dazu addiert man die Anzahl der Anklagen und Rücktritte. Das wird multipliziert mit der Anzahl von bekannten Firmen oder Persönlichkeiten, die involviert oder betroffen sind.
Dazu kommen dann noch Punkte, wenn
- der Skandal in den USA ist (und Abzüge, wenn er in Europa ist),
- wenn Goldman Sachs involviert ist,
- wenn Oliver Stone daraus einen Film machen kann,
- wenn arme Joe Sixpacks über den Tisch gezogen wurden und
- für jeden tiefen Atemzug, den Matt Taibbi nehmen muss, bevor er einen Artikel über den Skandal schreiben kann.
Li-bored: Why Some Wall Street Scandals Stick — Daily Intel
gefunden über den @kopfzeiler und @basbrinkmann