Damit ist die britische Wirtschaft zurück in der Rezession. Zumindest nach der technischen Definition, die da lautet: Zwei Quartal hintereinander, in denen es zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung kam.
OK, am Ende ist es Wurscht, ob die Wirtschaft im Zick-Zack-Muster ein Quartal wächst und ein Quartal fällt oder ob sie zwei Quartale etwas fällt und dann wieder wächst. Die letzten 8 Quartale ab 2. Quartal 2010 sehen nun so aus
97,7 98,3 97,9 98,1 98,0 98,6 98,3 98,1
100% ist die Wirtschaftsleistung Großbritanniens im Jahr 2008. Das Tief in der Rezession lag bei 95,3% im zweiten Quartal 2009. Von dort aus ging es vier Quartale nach oben (bis zu 97,7% oben), dann ging es aber nicht mehr wirklich voran.
Im Quartalsvergleich legte der Servicesektor um 0,1% zu und trug damit positive 0,1 Prozentpunkte zum BIP bei. Die Produktion sank um 0,4% und drückte das BIP um 0,1 Prozentpunkte, der Bausektor schrumpfte sogar um 3,0% und drückte das BIP um 0,2 Prozentpunkte. Die Landwirtschaft schrumpfte um 1,4%, aber da dieser Sektor in modernen Industrienationen ziemlich unwichtig ist, blieb der Einfluss auf’s BIP bei 0,0 Prozentpunkten. Unterm Strich steht dann das Minus von 0,2% aus der Überschrift.
Die Zahlen von heute sind noch eine Vorabschätzung, die können (und werden) sich noch ändern. Vor allem fehlen noch weitere Detailinformationen, z.B. woher das Wachstum im Dienstleistungssektor kam.
Diese Aufschlüsselung ist gerade im Fall Großbritanniens spannend, weil in der Vergangenheit das Wachstum fast ausschließlich aus dem Bereich der Finanzdienstleistungen (Banken, Versicherungen, Hedgefonds, Vermögensverwaltungen, …) kam. Wenn man das weiss, weiss man auch, warum sich Großbritannien so gegen die Finanztransaktionssteuer wehrt. Damit würde Großbritannien dem einzigen Sektor, der dem Land noch Wachstum verspricht, Knüppel zwischen die Beine werfen …
Ob das langfristig klug ist, sei dahingestellt …
Gross Domestic Product: Preliminary Estimate, Q1 2012
Update (15:53):
Die aktuelle Rezession in Großbritannien ist tiefer als in der großen Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren. Die Tiefe war ähnlich, die anschließende Erholung war “damals” (schwarz) aber deutlich kräftiger als heute (blaue Kurve).
Interessant!
