Videotipp: Tomáš Sedláček: Warum die Ökonomie ein kulturelles Phänomen ist. #oend
Wie schon in der letzten Woche angekündigt, hier ein weiterer Teil aus dem Wirtschaftsspezial der Philosophiesendung “Sternstunde Philosophie” des Schweizer Fernsehen.
Und wie auch in der letzten Woche, ein paar Appetithäppchen von mir, damit ihr das auch anschaut ;-)
“Was ist der Unterschied zwischen Preis und Wert?
Dort hat die Wirtschaft angefangen. Beim Unterschied zwischen Preis und Wert. Die beiden Begriffe scheinen ähnlich, sind aber total verschieden. Nehmen wir ein Beispiel. Die Wirtschaft behauptet, eine wertneutrale, wertfreie Wissenschaft zu sein. Doch wir haben ständig mit Preisen und Werten zu tun. Wie kann die Wirtschaft behaupten, wertfrei zu sein, wenn die Analysten im Fernsehen sagen hört, der Goldpreis ist überbewertet? … Ich behaupte, niemand kennt der Wert von Gold, wir kennen nur den Preis. Oder wie Oscar Wilde schon sagte: Ein Zyniker kennt den Preis von allem, aber den Wert von gar nichts.”
Die Modelle in der Ökonomie erinnern oft an einen Airbag, der immer funktioniert, nur bei einem Unfall nicht (konkretes Beispiel: Kreditausfallversicherungen auf griechische Staatsanleihen).
Die Demokratie funktioniert manchmal, manchmal funktioniert sie aber nicht. Der Kapitalismus funktioniert manchmal, manchmal funktioniert er nicht. Wir sind gerade in einer Situation, in der wir nicht wissen, ob der Kapitalismus funktioniert.
Und dann kommt auch noch der gute Anhalter durch die Galaxis vor. 42 ist die Antwort. Aber eine Zahl hat keine Bedeutung.
“Freunde sind Menschen, die einander so viel schulden, dass sie den Überblick verloren hat.” (wunderbar!)
Und selbst Adam und Eva kommen dran. Den Apfel im Paradies sieht Sedláček nicht als sexuelle Verführung, sondern als wirtschaftliche Verführung, als Verführung zum Konsum. (Spannende Sichtweise).
Wir müssen die Wirtschaft wieder beseelen. Wir tun so als sei sie ein totes Objekt. Wir pressen sie in Formen, in starre Regeln und meinen, das würde funktionieren . Und dann beginnt sie zu agieren wie ein totes Objekt. (OK, dieser Ausschnitt erschließt sich in der kurzen Version vielleicht nicht, aber dem Nichtverstehen könnt ihr ja durchs Anschauen eine Ende bereiten …)
Was würde passieren, wenn ich einem Psychoanalytiker von meinem Traum erzählen würde, in dem ich immer und immer größer werde? Würde er Minderwertigkeitskomplexe diagnostizieren? (Wachstum ist die Mantra der aktuellen Wirtschaftsordnung).
Wir haben Stabilität verkauft und Wachstum (=Schulden) gekauft. Heute müssen wir Wachstum verkaufen und Stabilität kaufen.
Wem die Stunde zu lang ist, kann sich auch einen 5-Minuten-Audio anhören, ich kann aber auch versichern, dass die Stunde lohnender ist! Aber bevor ihr gar nichts hört, nehmt wenigstens die 5 Minuten …
http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2012/02/13/dlf_20120213_0953_c3f3855a.mp3?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter
Und sonst:
Das Buch von Sedláček hier über meinen Affiliate Link kaufen: Die Ökonomie von Gut und Böse
Update (12:08):
Die Welt hat heute auch eine Rezension des Buchs:
Entseelte Ökonomie - Nachrichten Print - DIE WELT - Vermischtes - WELT ONLINE