Schön ausgegraben von der FTD. Den Bankrun in Irland und Griechenland habe ich in meinem Blog ja einige Male erwähnt. Da war der Zusammenhang zwischen der Krise der Staatsfinanzen und der Bankbilanzen klar ersichtlich.
Auch auf der größere Bild habe ich hingewiesen: Deutlich steigende Einlagen bei den Banken im Norden Europas, deutlich sinkende im Süden (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Der Banken-Marsch in Europa geht weiter)
Andre Kühlenz hat sich nun die Mühe gemacht und die Bankeinlagen in Italien genauer unter die Lupe genommen. Und es gibt auch in Italien einen (schleichenden) Bankrun. Für mich kommt das nicht wirklich überraschend, dafür reichte mir der Blick auf die Bankenfinanzierung durch die EZB, die sich im Laufe 2011 vervierfacht hat …
Bei den italienischen Banken fließt Geld auf allen Ebenen ab: Geldmarktfonds (vor allem aus den USA) ziehen ihr Geld ab, die ausländischen Banken finanzieren die italienischen Banken nicht mehr, etc. pp.
Interessant aber auch (und das ist das Neue), dass die Italiener selber ihr Geld von den Banken holen. Von Juni bis November 2011 immerhin 66 Milliarden Euro oder 5% der gesamten Einlagen.
Wir sehen also in Italien jetzt das gleiche Spiel, das wir vorher schon in Griechenland und Irland, dann in Portugal und etwas später auch in Spanien gesehen haben. Nun also auch in Italien.
Wenn man sich die Liste der Länder oben anschaut, kann man schon beginnen, sich um Italien Sorgen zu machen. Beruhigend ist allerdings, dass sich keiner der Bankruns beschleunigt hat. Griechenland geht es ja inzwischen in Hinblick auf eine Pleite wirklich dreckig, trotzdem hat sich der Bankrun nicht wirklich beschleunigt. Der durchschnittliche Sparbuchbesitzer scheint also Nerven wie Drahtseile zu haben (oder es mangelt ihm schlicht an der Fantasie, sich ein Bankenpleitendomino vorstellen zu können …)
(1) André Kühnlenz - Google - Kapitalflucht in Zahlen: Einlagen bei Italiens Banken und…
Update (10:08)
Den FTD Artikel gibt’s nur im Print, sonst hätte ich ihn hier verlinkt …
Update (11.02.12):
Ich kenne den Artikel in der FTD nicht, aber zumindest eine viele Charts enthaltende Version ist jetzt im Wirtschaftswunderblog online gegangen:
Italienische Beklemmungen – eine Krisenschau in sieben Charts « Wirtschaftswunder