Ziemlich interessante These von Dirk Elsner im Blicklog: Hat der Megatender der EZB (der knapp 500 Milliarden Euro schwer war, netto aber eher in der 200 bis 300 Milliarden Euro Ecke lag) die Kreditvergabe der Banken gebremst?
Genauer müsste man sagen: haben die zwei Megatender (Dezember 2011 und Februar 2012) die Kreditvergabe an die Unternehmen temporär gebremst?
Dass die Kreditvergabe an Unternehmen (bis auf Deutschland) schrumpft, ist nicht mehr strittig. Besonders in Italien war der monatliche Rückgang um 21,5 Milliarden im Dezember extrem, einen so hohen Rückgang gab es noch nie innerhalb eines Monats.
Nach einem Nachdenken und einer Antwort von Dirk habe ich seinen Gedanken inzwischen wohl auch verstanden … Ich fasse den mal kurz zusammen:
Vor dem ersten Megatender haben die Banken alles an Sicherheiten (Collaterals), die sich finden ließen, zusammengekehrt und diese bei der EZB hinterlegt. Dafür gab es dann viel Bares. Nach dem ersten Megatender gibt es nun keine schnell aktivierbaren Collaterals mehr, weil die Banken alles hinterlegt haben, was eben ging.
Um beim zweiten Megatender im Februar erneut in die EZB-Kasse greifen zu können, brauchen die Banken aber neue Collaterals. Neue Unternehmenskredite kann man aber bis zum zweiten Tender nicht schnell genug verbriefen. Die Banken lassen die Unternehmenskreditvergabe also “schleifen”. Als Alternative vergeben die Banken Kredite an die Staaten, kaufen also mit dem EZB-Geld Staatsanleihen. Diese sind problemlos als Sicherheit bei der EZB hinterlegbar. Der Zinsrückgang gerade bei den Anleihen der PIGS-Staaten in den letzten Wochen war spürbar, vor allem bei den kurzen Laufzeiten (wäre auch logisch, wenn die Laufzeiten bis zu drei Jahren vom dreijährigen EZB-Tender besonders stark beeinflusst worden wären).
Jetzt folgt der zweite Megatender. Die Banken saugen sich erneut voll (mit Staatsanleihen als Collateral). Danach haben sie wieder, bzw. noch mehr Geld. Weil jetzt aber kein erneuter Zeitdruck besteht (es ist ja kein dritter Megatender angekündigt), müssen die Banken jetzt auch keine Staatsanleihen als schnell aktivierbares Collateral mehr kaufen, sondern können wieder Kerngeschäft machen. Sprich Kredite an Unternehmen und Private vergeben. Das bringt zwar erst langsam neue Collaterals (es muss ja erst gebündelt und verbrieft werden), aber das ist wegen des fehlenden Zeitdrucks auch nicht mehr so wichtig. Es gibt keinen drängenden dritten Megatender, außerdem sollten die Banken nach zwei Megatendern auch langsam ausreichend Bares besitzen.
Wenn das alles so stimmt, hätten wir nur eine kurze, sprich zweimonatige Delle in der Kreditvergabe an Unternehmen und Private.
Ob die These stimmt, sehen wir dann nach dem Tender an zwei Sachen:
Steigt die Kreditvergabe an die Unternehmen wieder?
Steigen die Zinsen für die italienischen (et al) Staatsanleihen wieder, denn diese könnten nur durch die oben beschriebene vorübergehende Sondernachfrage gesunken sein?
Der zweite Punkt wird besonders spannend, weil er schnell und sofort sichtbar wird. Beim ersten Punkt wird man auf die Kreditvergabe von März warten müssen, die erst spät im April veröffentlicht wird.
Und eigentlich kann man erst dann sagen, ob dieses Quantitative Easing der EZB (nichts anderes sind die Megatender der EZB meiner Meinung nach, nur kauft die EZB nicht im großen Stile selber, sondern sie gibt den Banken so viel Geld, dass diese quasi Staatsanleihen kaufen müssen; sie lässt also kaufen) erfolgreich ist. Denn dazu müssten nicht nur die Zinsen der Staatsanleihen weiter sinken, sondern auch die Kreditvergabe an die Unternehmen wieder in Schwung kommen.
Ich befürchte, dass wir beides erst dann bekommen, wenn die Banken sich wieder vertrauen und der normale Weg der Kreditvergabe wieder in Schwung kommt. Im Moment wird mir einfach zu viel Geld bei der EZB geparkt, es ist immer noch viel zu wenig Vertrauen im Markt.