Ist aber auch logisch, die Datensammlung vor dem nächsten geplanten Stresstest im Sommer würde genau in die Zeit fallen, in der die Banken (mehr oder weniger verzweifelt) auf der Suche nach dem noch fehlenden Eigenkapital sind, das bis Ende Juni bereitstehen muss.
Ein Stresstest danach wäre allerdings angebracht, diesen hat die EBA aber noch nicht terminiert.
Bankenaufsicht EBA verschiebt regulären Bankenstresstest - Zeitung (Dow Jones Deutschland)
Die Commerzbank will übrigens die fehlenden 5 Milliarden Euro GANZ OHNE eine Kapitalerhöhung schaffen. Etwa 600 Millionen wurden bereits durch eine Umwandlung von Wandelanleihen in Eigenkapital “gehoben”. Eine ähnliche Summe ist bei der Beteiligung der Allianz (die im Rahmen der Dredner Bank Übernahme erfolgte) geplant. Auch dort soll die stille Beteiligung (die nicht als Eigenkapital gilt), in “richtiges” Eigenkapital umgewandelt werden.
Der Großteil (2,7 Milliarden) soll aber über den Abbau von risikoreichen Assets kommen. Die Commerzbank sammelt also kein neues Eigenkapital ein, sondern reduziert die Eigenkapitalanforderungen durch eine Schrumpfung auf der anderen Seite der Bilanz.
2,7 Milliarden Euro sind aber nicht gerade wenig. Bei einem Hebel von 20 wären das mehr als 50 Milliarden Euro, die verkauft werden müssten. Der Hebel von 20 ist nicht ganz unrealistisch, denn die Commerzbank hat ja deutlich zu wenig Eigenkapital (meint zumindest die EBA) und im Schnitt über die gesamte Bilanz wird dieser Hebel in etwa hinkommen).
Allerdings wird die Commerzbank nicht die sicheren Assets verkaufen (die nur mit wenig Eigenkapital hinterlegt und damit mit hohen Hebeln versehen sind), sondern vor allem die unsicheren, die mit relativ viel Eigenkapital hinterlegt werden müssen.
Die Commerzbank selber geht von etwa 30 Milliarden aus, war ein Hebel von etwa 11 wäre. Da stellt sich nur die Frage, wer diese Assets in der aktuellen Marktlage kaufen soll. Ich fürchte, bei dem Druck, den die Commerzbank hat (und den ja jeder potenzielle Käufer kennt) wird die Commerzbank heftige Abschläge vornehmen müssen. Das könnte ein gefundenes Fressen für die Geier aus den Hedgefonds werden …
Hoffen kann man nur, dass die Commerzbank nicht ihre Kreditvergabe massiv einschränkt. Das hat sie zwar schon in allen Märkten außer Deutschland und Polen getan, aber vielleicht startet sie das ja auch hier …
Update (10:56):
Die FAZ bleibt skeptisch:
Commerzbank: Klaffende Kapitallücke - Unternehmen - FAZ
Ich muss aber gestehen, dass ich schonmal skeptischer war. 1,5 Mrd. durch die Umwandlung von “komischen” Eigenkapital in “richtiges” sind realistisch. Irgendwas von den 2,7 Mrd. Risikoreduktion auch (wenn auch vielleicht nicht die ganze Summe, hängt auch davon ab, inwieweit die Commerzbank auf Teufel komm raus Risiko verkloppen will), dazu noch ein kräftiges Zurückfahren der Kreditvergabe.
Realistisch erwarte ich dann zwar immer noch eine Kapitalerhöhung, aber eine kleinere. Eine EK-Erhöhung um eine oder vielleicht auf 1,5 Milliarden bekommt die Commerzbank u.U. sogar am Markt platziert und der Staat müsste nur mitziehen (bliebe also bei 25%, erhöht seinen Anteil aber nicht, was beide Seite wohl vermitteln könnten).