Das war eigentlich schon viel zu lange auf der Liste der potenziellen Zahlen des Tages. Aber bevor das völlig vergammelt, packe ich das mal schnell hier hin …
Googles Motto lautet ja nicht böse zu sein. Don’t be evil. Man mag das glauben oder auch daran zweifeln, sicher ist aber, dass Steuern zahlen für Google offenbar nichts Gutes ist. Genauer müsste man formulieren, dass komplexe Steuersparmodelle scheinbar nichts Böses ist.
Denn außerhalb der USA führt Google nur 2,4% des Gewinns als Steuern ab. Da ist extrem wenig für einen Konzern, der so profitabel ist und wäre nur bei hohen Verlustvorträgen aus der Vergangenheit logisch erklärbar. Wobei erklärbar auch wieder nicht das richtige Wort ist, legitim würde es besser treffen.
Denn Google sollte natürlich als hochprofitabler Konzern Steuern zahlen und zwar auch in Europa. Dass nur so wenig Steuern gezahlt werden müssen, liegt an steuerlichen Sonderregeln in den Niederlanden und Irland. Die beiden Modelle nennen sich “Dutch Sandwich” und “Double Irish”.
Im Details kann man sich die Modelle in einer interaktiven Grafik in der Business Week anschauen, allerdings sind die Details gar nicht so spannend. Wobei man sich das ruhig mal anschauen kann, denn ich bin mir fast sicher, dass Coca Cola, Mc Donalds und viele andere US-Konzerne das gleiche Modell fahren (weiss das jemand?).
Grund für die niedrigen Gewinne in Europa sind hohe Lizenzzahlungen (5,4 Mrd. $), die “Google Europa” an die Mutter in den USA leisten muss. Dank einer komplexen Konstruktion mit der Europa-Niederlassung in Irland, einer indirekten Zahlung der Lizenzgebühren an eine Tochter in den Niederlanden (Null Angestellte!), die an eine Niederlassung auf den Bermudas zahlt (und nicht direkt an die Mutter), muss Google für die gesamten Gewinne in Europa so gut wie keine Steuern zahlen.
Ist das jetzt “evil”? Keine Ahnung. Ist das asoziales Schmarotzertum? Yepp.
Inside Google’s $1 Billion-a-Year Tax Cutting Strategy - BusinessWeek
Google 2.4% Rate Shows How $60 Billion Is Lost to Tax Loopholes - Bloomberg.com