Diesen Verdacht stellt die Zeit heute in den Raum.
Konkret ging es darum, dass die verkürzte Bilanz den Schuldenstand Deutschlands reduziert. Daher habe die Bad Bank der Hyporealestate aktiv versucht, durch Verrechnung von Positionen die Bilanz zu kürzen.
Dazu wird ein relativ langer Artikel geschrieben, in dem meiner Meinung nach aber nicht genau erklärt wird, was die FMS jetzt anders bilanziert hat. OK, vielleicht will die Zeit ihre Leser auch nicht mit solchen Details quälen, nachvollziehbar wird der Artikel dadurch aber nicht.
Wenn im Artikel §246 des HGB zitiert wird, ist das nett. Eine Bilanz muss vollständig sein, es darf nicht verrechnet werden. Das führt aber nicht weiter. Denn in den Bilanzen wird sehr wohl verrechnet, das totale “alles muss brutto ausgewiesen werden” gibt es nicht.
Bei Derivaten ist das zum Beispiel immer so. Die FMS hat über 800 Milliarden Euro an Derivaten in den Büchern, die aber zum ganz ganz großen Teil miteinander verrechnet werden. Wenn man einmal eine Versicherung kauft und einmal eine schreibt, wenn man einmal einen Call und einmal einen Put kauft, wenn man einmal Short und einmal Long geht, sind das Positionen, die man miteinander verrechnen kann (und die auch verrechnet werden). Bei der FMS bleibt nach der Verrechnung eine einstellige Milliardensumme (ausgehend von 820 Mrd. Bruttovolumen) übrig.
Wenn man diese Verrechnung nicht könnte, soll mir mal einer zeigen, wo die inzwischen 700 Billionen (!) an Derivaten in den Bankbilanzen auftauchen … Nirgends, weil das Zeug fast vollständig miteinander verrechnet werden darf und wird.
Ich glaube, dass man mit den bis dato vorliegenden Informationen nicht sagen kann, ob die Bilanz vorher richtig oder falsch war, ob die Bilanz nachher richtig oder falsch ist oder ob sich das alles in der Grauzone von “kann man so oder so bilanzieren” abspielt. Und diese Grauzone ist gar nicht mal so klein … (man nehme nur mal die Phantomgewinne der Banken, die sie über die Reduzierung der eigenen Bonität generieren. Das kann man so machen, muss man aber auch nicht).
Das Handfesteste im Zeitartikel ist IMHO die eingeleitete Untersuchung der Wirtschaftsprüferkammer München gegen den verantwortlichen Wirtschaftsprüfer PWC. Die Zitate der Bilanzierungsprofs sind zwar inhaltlich wohl korrekt, ich bin mir aber nicht sicher, ob sich die Profs zu einem konkreten Sachverhalt geäussert haben (sprich nachgeschaut haben, ob die FMS das auch gemacht hat) oder zu einem theoretischen Sachverhalt. (Ich würde mal vermuten, dass solch renommierte Profs für ein Gutachten einen Haufen Geld sehen wollen und das nicht so am Telefon einem Journalisten kostenlos schenken).
Für die These der Zeit (die ich nicht verdammen möchte, es mag ja gut genau so sein, wie sie es beschreibt. Auf Basis der Artikels finde ich das aber nicht ausreichend nachvollziehbar) spricht natürlich der politische Wille, den Schuldenstand zu reduzieren.
Außerdem wäre es nicht ganz unlustig, wenn die Bilanz vorher richtiger gewesen wäre als nachher, vor allem wenn man an die ganzen Reaktionen (inkl. meiner) nach der Bilanzierungsänderung zurückdenkt. Die sind zu blöd zum Rechnen!
Hah, die sind vielleicht doch nicht zu blöd zum Rechnen. Die wissen schon ziemlich genau, was sie tun. Und im Normalfall kennen die Profis die Grenze zwischen Bilanzoptimierung und Bilanzfälschung auch ziemlich genau. Am Ende leben die (zumindest zum Teil) davon, dass die wissen, wie breit man die Grauzone ziehen kann und wie an das ausreizen kann …
Da kann eigentlich von außen niemand durchblicken, wenn er nicht die ursprünglichen Zahlen kennt, die dann zu einer Bilanz zusammengeführt werden.
HRE: Kein Versehen, sondern Absicht | Wirtschaft | ZEIT ONLINE
Ich würde nicht komplett aus den Latschen kippen, wenn die Prüfung der Wirtschaftsprüferkammer ergibt, dass man so oder so bilanzieren kann, ergo dass die Bilanz sowohl vorher wie auch nachher in Ordnung war.
Am Ende ist die Diskussion sowieso egal. Geld fließt weder heute noch in Zukunft durch die Bilanzierungsänderung. Viel wichtiger ist, wie viel Schrott in der Bilanz steckt (Griechenbonds, Hypotheken, …) und wie viel Verluste da noch kommen. Die FMS hat schließlich nur noch 800 Millionen Eigenkapital. Bei halbwegs normalem Verlauf der Geschäftsentwicklung ist am Ende des Jahres das Eigenkapital futsch und dann muss der Staat nachlegen.