Tjoah, die nächste Korrektur in der Buchhaltung von Groupon …
Nicht ganz unerwartet muss Groupon seine Buchhaltung erneut ändern. Bisher hat Groupon den Bruttoumsatz eines Kupons verbucht. Also wenn Groupon einen Gutschein im Wert von 20 Euro verkauft hat, landeten 20 Euro als Umsatz in den Büchern. Nur ist das wohl irreführend, weil ja auch der Händler Geld vom Kupon abbekommt. Er verschenkt sein Essen/seine Frisur/sein Produkt ja nicht komplett …
Das sah die US-Börsenaufsicht SEC wohl auch so. Groupon hat reagiert: Für 2010 ergeben sich jetzt 313 Millionen Dollar Umsatz (statt 713 Millionen wie bisher angegeben), der Umsatz für’s zweite Quartal 2011 393 Millionen Dollar statt 878 Millionen Dollar.
Das wirkt an und für sich schon erschreckend genug, noch gruseliger wird es, wenn man die Gewinne äh Verluste gegenüber stellt: Dieser lag nämlich 2010 bei 420 Millionen Dollar. Also HÖHER als der Umsatz. Puh.
Man muss aber weiterhin zugeben, dass die Umsatzsteigerung von Groupon beeindruckend ist. Im ersten Halbjahr 2010 waren es 59 Millionen Dollar, im 1. Hj 2011 schon 688 Millionen, eine Steigerung fast um den Faktor 12. Allerdings stiegen die Kosten auch kräftig: Von 28 auf 218 Millionen, also etwa um den Faktor 8-9 (wie auch der Verlust).
Auch wenn inzwischen Facebook seinen Konkurrenzdienst aufgegeben hat (positive Interpretation: weniger Wettbewerb; negative Interpretation: Geschäftsmodell macht keinen Sinn), bleibe ich skeptisch. Es ist ein Geschäftsmodell, das sich noch nicht bewiesen hat. Und selbst wenn es sich beweisen sollte, sehe ich jede Menge potenzieller Wettbewerber, die für massiven Margendruck sorgen sollten. Siehe dazu meinen alten Artikel
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Groupon: Finger weg!
Groupon hat sich mit der extrem aggressiven Bilanzierung auf jeden Fall keinen Gefallen getan. Das Fenster für einen richtig profitablen Börsengang dürfte sich inzwischen geschlossen haben. Wenn Groupon immer noch 15 oder 20 Mrd. Börsenkapitalisierung erreichen möchte, muss Groupon wohl erst mal liefern: 3 Mrd. Jahresumsatz müssen darstellbar sein und gleichzeitig ein deutlich sinkender Verlust. Ansonsten stehen die Chancen hoch, dass das IPO floppt.
Rabattportal: Groupon muss Umsatzangaben halbieren | FTD.de
Originalunterlagen bei der SEC: SEC: Groupon S1 23.09.2011
HT Chris Sickendieck von Fixmbr für den Hinweis!
Update (17:52):
P.S. Diesen äußerst obskuren CSOI gibt Groupon übrigens immer noch an. Ich spare mir einen weiteren Kommentar dazu. Dieser Wert ist schlicht zu lächerlich …