Teldafax ist ja der größte aktuelle Pleitefall in Deutschland. Das ist eigentlich schon ausreichend, um den Fall auf meinen Korruptionsticker zu bringen, aber wenn die zusätzlich noch Trikotsponsors eines Fußball-Bundesligisten waren, muss ich darüber schreiben ;-)
Etwas ernsthafter: Wie bei fast jeder großen Insolvenz kommen nach der Insolvenz jede Menge interessanter Informationen auf den Tisch. Da weiss man gar nicht, wo man anfangen soll …
Vielleicht erstmal mit den Fakten. Teldafax war offenbar schon lange pleite, hat aber einfach weitergearbeitet und den Kunden Lieferverträge für Strom- und Gas aufs Auge gedrückt, die sehr günstig, aber auch mit Vorauszahlung für zwei Jahre versehen waren. Nur über diese Vorauszahlungen wurde der Laden am Laufen gehalten.
Geschädigt wurden über 700.000 Kunden, die Schadensumme soll eine halbe Milliarde Euro betragen.
Jetzt kommen die erschreckenden Fakten:
a) Die Behörden sollen von der Überschuldung bereits 2009 Wind bekommen haben, als sie TelDaFax durchleuchtet haben, weil 28,3 Millionen Euro Steuern nicht bezahlt wurden. Der Geschäftsbetrieb laufe nur noch dank neuer Kunden weiter (also ein klassisches Schneeballsystem) und bereits damals sollen 44 Millionen Euro Schulden gegenüber den Kunden in den Büchern gestanden haben. Alles korrekt analysiert, doch gemacht haben die Behörden nichts. Unfassbar.
b) Das Vergleichsportal Verivox, das laut Eigendarstellung “unabhängig” sind, wird nun von Verbraucherschützern vorgeworfen, dass die Angebote von TelDaFax besonders prominent platziert worden seien, weil TelDaFax extrem hohe Provisionen gezahlt habe:
Vergleichsportal: Vorwürfe gegen Verivox nach Teldafax-Pleite - Unternehmen - Wirtschaft - FAZ.NET
Verivox dementiert das und zwar nicht unplausibel. Als im letzten Herbst erste Berichte aufkamen, dass TelDaFax ein Schneeballsystem und im Kern pleite sei, hat Verivox immerhin darüber berichtet. Laut eigener Aussage wurde Rücksprache mit der Bundesnetzagentur gehalten, die ihrerseits aber keine Unrgelmäßigkeiten festgestellt habe. Diese Nachricht finde ich allerdings nicht an der Quelle, sondern nur “wiedergekäut” (Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten bei Teldafax | Strom News & Nachrichten von Stromanbietern); ein echter Journalist würde jetzt mal bei der Bundesnetzagentur anrufen und fragen, ob es eine solche Überprüfung überhaupt gab …
Fragen und Antworten zu den Vorwürfen gegen Verivox | 19.09.2011
c) Der Grüne Ex-Staatssekretär Rezzo Schlauch hat seinen (jetzt wohl nicht mehr so) guten Namen für TelDaFax in den Ring geworden und bei einen griechischen Energiegroßhändler TelDaFax als Partner empfohlen, dem man “absolut vertrauen” könne. Auch einen (Milliarden!)-Kredit wollte Schlauch besorgen, der aber nicht gezogen wurde, weil die Zusammenarbeit platzte (vielleicht hat Schlauch ja doch noch Wind bekommen).
Autsch. Da sollte man doch etwas besser recherchieren, bevor man derartig trommelt, Herr Schlauch! Besonders Punkt d hätte auffallen können … (Die Anmerkung “Die Grünen - Die neue FDP” klemme ich mir jetzt absichtlich nicht …)
d) Der Chef von TelDaFax Michael Josten lebte in der Schweiz, aber nicht aus steuerlichen Gründen, sondern weil er 2007 vom Landgericht Mannheim zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Und ratet mal warum? Schneeballsystem mit geschlossenen Immobilienfonds. Das Gericht sah “besonders habgierige Gesinnung” und “hohe kriminelle Energie”.
Gerade bei diesem Punkt frage ich mich, ob das niemand merken konnte. Die Bundesnetzagentur soll ja geprüft haben, Rezzo Schlauch hat sich für TelDaFax stark gemacht, Verivox hatte Verdachtsmomente und auch die Presse hat schon vor einem Jahr kritische Artikel geschrieben, aber keiner hat was über Josten herausgefunden und geschrieben?
Hmmm …
Update (09:44):
Zu Punkt b noch eine Ergänzung: Die Vorwürfe gegen Verivox gehen noch etwas weiter. Verivox soll TelDaFax vorab Informationen über Preisänderungen der Konkurrenz gegeben haben, so dass TelDaFax schon vorab reagieren konnte und den Preis so weit senken konnte, dass man weiterhin auf Platz 1 blieb.
Teldafax-Connection: Kunden sind empört über Verivox - Versicherungen - Unternehmen - Handelsblatt