Die Zeit schreibt zur Einführung:
“George Soros ist der bekannteste Spekulant der Welt. Hier fordert er: Plant mit dem Euro-Austritt Griechenlands, Portugals und Irlands!”
Was sich beim flüchtigen Lesen vielleicht wie eine Aufforderung zum Austritt anhört, entpuppt sich dann aber als etwas ganz anders. Im langen Artikel beschreibt Soros ziemlich detailliert, dass auch der Austritt der Länder nicht viel helfen würde, wenn nicht vorher Auffangmaßnahmen für die europäischen Banken und die anderen schwachen Länder beschlossen würden. Und dazu bräuchte es eine (noch zu schaffende) europäische Institution, die Macht und (richtig viel) Geld hat, um schnell und ohne Zustimmung der nationalen Parlamente (wie sie erst jüngst das Bundesverfassungsgericht eingefordert hat) eingreifen zu können.
Europa muss vor allem Vorsorgungen für zwei Fälle treffen:
a) für einen möglichen Euro-Austritt von Griechenland und Portugal
b) für eine Pleite mit anschließenden Euroverbleib beider Länder.
Beides ist denkbar, zusammen, alleine oder unter Umständen auch gar nichts von beiden. Denn selbst eine erfolgreiche Wende der beiden Ländern (“wenn die notwendigen Opfer gebracht werden”) ohne Euro-Austritt und ohne Schuldenschnitt kann sich Soros vorstellen.
Dem wichtigsten Kritikpunkt von Soros kann ich voll zustimmen: Dass Denkverbote scheinbar verhindert haben, dass eine Insolvenz oder ein Euro-Austritt durchgerechnet und mit dem nötigen Sicherungsrahmen vorbereitet wurden, ist einer der größten Fehler der Eurozone. Dadurch hat die Eurozone bis heute keine Alternative zur Auszahlung der nächsten Kreditrate. Zumindest keine auch nur annähernd abschätzbare. Und damit sind alle anderen Möglichkeiten reines Harakiri und das wird kein Politiker gehen.
Finanzkrise: Europa hat nur einen Ausweg | Wirtschaft | ZEIT ONLINE